Zehntausende protestieren in Paris gegen Macrons Reformen

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Anti-Macron-Demonstration in Paris

Zehntausende Franzosen haben am Wochenende in Paris weitgehend friedlich gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron demonstriert. Nach Angaben von Medien und der Polizei nahmen am Samstag rund 40.000 Menschen an der Kundgebung teil, die Organisatoren sprachen von 160.000 Teilnehmern. 2000 Polizisten waren im Einsatz und begleiteten die Demonstration am Nachmittag zum Bastille-Platz. Acht Menschen wurden festgenommen.

"Das ist nicht der große Ansturm, den man uns angekündigt hat", sagte Innenminister Gérard Collomb. Er verurteilte den Angriff auf das Fahrzeug eines Radiosenders am Rande der Kundgebung. Dabei war ein Polizist leicht verletzt worden.

Emmanuel Vire, einer der Organisatoren der Demonstration, kritisierte indes Collomb für dessen Rhetorik vor den Protesten. Der Innenminister habe die Woche damit verbracht, "von der Gewalt zu sprechen, die sich ereignen wird", sagte Vire. Statt Verletzungen habe es aber lediglich Sonnenbrände gegeben.

Die Demonstranten hatten sich am Samstagmittag vor der historischen Oper in der französischen Hauptstadt versammelt. Sie äußerten auf Plakaten scharfe Kritik an Macron, den sie als "Präsident der Reichen" bezeichneten. Der 40-Jährige wurde auf Bildern und mit Puppen wahlweise als Napoleon, Dracula oder die ehemalige britische Regierungschefin Margaret Thatcher dargestellt. Die Demonstranten warfen Macron einen "sozialen Putsch" vor und forderten eine Verfassungsreform.

Unter den Teilnehmern befanden sich unter anderem Gewerkschafter, Studenten und Angestellte der französischen Bahn, die sich derzeit im Streik befinden. Vor der Oper trat ein Orchester auf, Familien veranstalteten Picknicks. Gegen 14.00 Uhr machten sich die Demonstranten auf den Weg zum Bastille-Platz. Am Abend fand dort ein Rockkonzert vor tausenden Menschen statt.

Jean-Luc Mélenchon, Chef der französische Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich), sagte, die Demonstration solle die derzeit streikenden Arbeiter unterstützen. Er rief für den 26. Mai zu weiteren Protesten auf. "Strömt zu Millionen herbei! Werdet die menschliche Flut, welche die Geschichte ändert", rief er den Demonstranten zu.

Die Demonstration verlief zunächst weitgehend friedlich. Am Nachmittag wurde auf dem Bastille-Platz ein Regiewagen des Radiosenders France Info angegriffen. Journalisten wurden dabei nach Angaben des Senders aber nicht verletzt. Laut Collomb wurde der Angriff mit einer Rauchfackel verübt. Zur Tatzeit habe sich niemand in dem Fahrzeug befunden. Als Sicherheitskräfte das Fahrzeug entfernten, wurde ein Polizist von einem Gegenstand getroffen und leicht verletzt, wie ein AFP-Reporter berichtete.

In Toulouse kamen am Vormittag nach Angaben der Veranstalter rund 3000 Menschen zur "fête à Macron" (Fest für Macron) zusammen. Die Polizei ging von halb so vielen Teilnehmern aus. In Bordeaux beteiligten sich nach Medienangaben mehr als 500 Demonstranten. Versammlungen mit jeweils mehreren hundert Teilnehmern gab es auch in Lyon, Straßburg und Rennes.

Zum ironischen "Fest für Macron" hatten La France Insoumise und befreundete Gruppen aufgerufen. Die Initiatoren werfen Macron vor, mit seiner Reformpolitik Wohlhabende zu begünstigen.

Die Regierung hatte im Vorfeld der Proteste am Samstag Ausschreitungen wie am 1. Mai befürchtet, als mehr als tausend vermummte Randalierer in Paris eine Reihe von Geschäften und Autos beschädigten. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mehr als hundert Menschen wurden festgenommen.