Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren für Kataloniens Unabhängigkeit

·Lesedauer: 2 Min.
Großdemonstration für die katalanische Unabhängigkeit (AFP/Josep LAGO)

Wenige Tage vor neuen offiziellen Gesprächen zur Zukunft der spanischen Region Katalonien haben mehr als 100.000 Unabhängigkeitsbefürworter in Barcelona demonstriert. Die Demonstration am Samstag in der katalanischen Metropole stand unter dem Motto: "Wir werden für die Unabhängigkeit kämpfen und gewinnen." Der Protest fand am katalanischen Nationalfeiertag Diada statt.

Die städtische Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 108.000, die Organisatoren gaben die Zahl mit 400.000 an. In jedem Fall war die Teilnehmerzahl weitaus niedriger als auf dem Höhepunkt der Unabhängigkeitsbewegung vor mehreren Jahren. 2014 hatten in Barcelona an der Demonstration zur Diada 1,8 Millionen Menschen teilgenommen.

Jedes Jahr gibt es in Barcelona am 11. September Demonstrationen für die Abspaltung Kataloniens von Spanien. In diesem Jahr fand die Demonstration kurz vor der für die kommende Woche geplanten Wiederaufnahme von offiziellen Gesprächen zwischen der Regierung in Madrid und der separatistischen katalanischen Regionalregierung statt.

Wie in früheren Jahren begann die Demonstration in Barcelona um genau 17.14 Uhr Ortszeit - symbolisch wurde damit auf das Jahr 1714 verwiesen. Am 11. September 1714 hatten spanische und französische Truppen während des Spanischen Erbfolgekriegs Barcelona erobert - dies ist der historische Hintergrund der Diada.

Ermöglicht wurde die Großdemonstration dadurch, dass die Corona-Restriktionen in Katalonien inzwischen wieder gelockert wurden. Damit fiel auch das Verbot von Versammlungen mit mehr als zehn Teilnehmern weg. Im vergangenen Jahr hatten die Corona-Maßnahmen zur Folge gehabt, dass die Versammlungen zur Diada relativ klein ausfielen.

Vor vier Jahren hatten eine illegale Volksabstimmung und eine darauffolgende einseitige Unabhängigkeitserklärung der katalanischen Regionalregierung in Spanien eine schwere politische Krise ausgelöst. Die damalige konservative Zentralregierung in Madrid reagierte, indem sie die Regionalregierung absetzte und Anführer der Unabhängigkeitsbewegung vor Gericht stellte. Neun Unabhängigkeitsbefürworter wurden zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt.

Der heutige sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez begnadigte die Verurteilten im vergangenen Juni. Am Samstag schrieb der Regierungschef im Onlinedienst Twitter, dass er beim anstehenden Dialog mit der katalanischen Regionalregierung jenes, "was uns vereint", voranbringen und positive Ergebnisse für Katalonien erreichen wolle.

Die Separatisten haben zwei zentrale Forderungen: die Begnadigung sämtlicher Protagonisten der Unabhängigkeitsbewegung sowie ein neues Referendum über die Unabhängigkeit, das diesmal mit der Zustimmung der Zentralregierung stattfinden soll. Beide Forderungen weist die Zentralregierung aber strikt zurück.

Die Spannungen wurden zuletzt dadurch angeheizt, dass die Regierung in Madrid Pläne zur Erweiterung des Flughafens von Barcelona auf Eis legte. Als Begründung wurde ein "Mangel an Vertrauen" in die Regionalregierung angeführt.

dja

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.