Tausende Demonstranten läuten Proteste gegen G20-Gipfel in Hamburg ein

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Unter dem Motto G20 Protestwelle demonstrierten tausende Menschen

Bunt und friedlich haben tausende Demonstranten am Sonntag im Hamburg die Proteste gegen den G20-Gipfel eingeläutet: Unter dem Motto "G20 Protestwelle" forderten sie in der Innenstadt und auf der Binnenalster mehr Engagement für Klimaschutz, eine gerechtere Globalisierung und demokratischere Entscheidungen. Auch viele Familien nahmen an der Demonstration teil. Die Bundesregierung kündigte unterdessen an, gegen gewalttätige G20-Gegner hart vorzugehen.

Nach Polizeiangaben kamen etwa 8000 Demonstranten zusammen, die Veranstaltung verlief einem Polizeisprecher zufolge "absolut friedlich". Die Veranstalter - Gewerkschaften, Umweltorganisationen und andere zivilgesellschaftliche Initiativen - sprachen von mehr als 18.000 Teilnehmern, die "aus der Mitte der Gesellschaft" heraus ein Zeichen des Protests gesetzt hätten.

Während der Auftaktkundgebung auf dem Rathausmarkt forderten führende Vertreter des Protestbündnisses einen grundsätzlichen Politikwechsel. "Es braucht eine gerechte Verteilung in Deutschland und weltweit", sagte Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, Sweelin Heuss, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, als G20-Gastgeberin einen nationalen Kohleausstieg zu verkünden. Deutschland werde seine Klimaschutzziele sonst "krachend verfehlen". Greenpeace untermauerte die Forderung mit einer Protestaktion an einem Kohlefrachter im Hamburger Hafen.

Michael Müller von den Naturfreunden Deutschland kritisierte den G20-Gipfel als "inhaltsleeres Spektakel". Die G20 brächten keine Lösungen, sondern seien "Teil des Problems", sagte er.

Viele Teilnehmer trugen Fahnen, Transparente und Schilder mit Aufschriften wie "Global umfairteilen", "Kohle stoppen" oder "Du hast nur eine Erde". Unter ihnen waren zahlreiche Familien mit Kindern, Jugendliche sowie Ältere. Auch viele Gewerkschaftsmitglieder waren dabei.

"So geht es nicht weiter", beschrieb der 29-jährige Demonstrant Tristan Klenk aus Hamburg seine persönliche Motivation zur Teilnahme am Protest. Im Bereich des Wirtschaftssystems müsse sich "sehr viel ändern". Zugleich kritisierte er die Ausrichtung des Gipfels mitten in einer Millionenstadt: "Das ist einfach wahnwitzig."

Ähnlich äußerten sich auch andere Demonstranten wie der 63-jährige Peter S., der seinen vollen Namen nicht nenne wollte. "Das ist in meinen Augen Irrsinn", sagte er mit Blick auf den Aufwand und das Risiko von Krawallen. "Ich hoffe nur, dass alles friedlich bleibt."

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer treffen sich am Freitag und Samstag in Hamburg, auf ihrem Programm stehen unter anderem Fragen der globalen Wirtschafts- und Handelspolitik. Zehntausende Gegendemonstranten aus verschiedenen Lagern werden erwartet, darunter auch 7000 bis 8000 gewaltbereite Linksextremisten. Mindestens rund 19.000 Polizisten sollen den Gipfel sichern.

Die Bundesregierung kündigte derweil ein hartes Vorgehen gegen gewalttätige Demonstranten an. Krawalle müssten "von Anfang an im Keim erstickt werden", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) der "Bild am Sonntag". Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) äußerte sich ähnlich. Wer glaube, "den G20-Gipfel mit Krawallen und Gewalt begleiten zu müssen, der hat jedes Demonstrationsrecht verwirkt", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnte laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" in einer internen Einschätzung vor Sabotageakten militanter Gipfelgegner gegen die Stromversorgung, Brandstiftungen sowie Besetzungen etwa von Parteibüros.

Nach der Auftaktkundgebung machten sich die Teilnehmer der Protestdemonstration in Hamburg bei zeitweise starkem Regen weiter auf den Weg zu einem Protestmarsch durch die Innenstadt. Zu der Protestveranstaltung gehörte auch eine Bootsdemo auf der Binnenalster. Aufgerufen hatten der DGB, Greenpeace, WWF, Nabu, Campact, Oxfam und weitere Organisationen, etwa aus dem Landwirtschafts- und Bürgerrechtsbereich.