Tauber löst mit Twitter-Äußerung Empörungswelle im Internet aus

CDU-Generalsekretär Tauber hat Ärger wegen Tweets

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat mit einer Äußerung zu Mini-Jobbern auf dem Onlinedienst Twitter eine Empörungswelle im Internet ausgelöst. Viele Betroffene sahen sich persönlich angegriffen und reagierten mit scharfer Kritik. Am Dienstagvormittag ruderte Tauber zurück: "Es tut mir leid, dass ich (...) so blöd formuliert und damit manche verletzt habe", schrieb er ebenfalls auf Twitter.

Hintergrund ist die Diskussion über das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU mit dem Versprechen von "Vollbeschäftigung" bis 2025. "Heißt das jetzt drei Minijobs für mich?" fragte dazu ein Twitter-Nutzer am Montagabend. Tauber antwortete umgehend: "Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs." Internetnutzer sprachen daraufhin von "Arroganz" und einer "Ideologie der Ungleichwertigkeit."

Andere Nutzer wiesen darauf hin, dass viele Minijobber sehr wohl über einen Berufsabschluss verfügen - etwa Alleinerziehende und Akademiker, die wegen ihres fortgeschrittenen Alters oder anderer Lebensumstände keine reguläre Beschäftigung finden würden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Guido Zeitler, erklärte, dass im Gastgewerbe inzwischen 40 Prozent aller angebotenen Stellen Minijobs seien, im Einzelhandel sei es teilweise ähnlich.

Auch die politische Konkurrenz griff das Thema rasch auf und warf Tauber und der CDU Realitätsferne und Unkenntnis der Lebensverhältnisse von Menschen im Niedriglohnsektor vor. "Taubers Bemerkung ist ein Beweis dafür, dass die Union die Millionen Menschen, die in Deutschland in ungesicherten, schlecht bezahlten Jobs arbeiten müssen, abgeschrieben hat und für sie keinerlei Mitempfinden hat", sagte Linkspartei-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht der "Heilbronner Stimme" (Mittwochsausgabe). Dazu passe, dass das Wahlprogramm der Union keinen einzigen Vorschlag enthalte, "der die Lebenssituationen dieser Menschen verbessern würde".

"Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär", erklärte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann auf Twitter. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir schrieb: "Traurig, wenn eine 'christliche' Volkspartei den Bezug zur Lebenswelt der BürgerInnen verliert".

Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), nannte Taubers Äußerungen in der "Stuttgarter Zeitung" (Mittwochsausgabe) "respektlos und realitätsfern". Der DGB-Bundesvorstand schrieb auf Twitter: "Es gibt mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland, mit denen sich Herr Tauber wohl mal unterhalten sollte."

Tauber war ungeachtet der Kritik zunächst im Grundsatz bei seiner Position geblieben und hatte am Dienstagmorgen mit einem weiteren Tweet nachgelegt: "Fakt ist doch: Nur mit einer guten Ausbildung verdient man genug, damit man nicht drei Mini-Jobs braucht, um über die Runden zu kommen." Später lenkte der CDU-Generalsekretär dann ein: "Ich wollte niemandem zu nahe treten, der in so einer Situation ist." Vielmehr habe er lediglich auf die Bedeutung einer guten Ausbildung hinweisen wollen.

Doch der Spott im Netz ließ sich nicht mehr so leicht stoppen. "Wenn man was Ordentliches gelernt hat, braucht man nicht CDU-Generalsekretär zu werden", lautete einer der Kommentare. Oder: "Wenn Sie ordentliche Politik machen würden, dann würde es solche Zustände in Deutschland nicht geben."