Warum ist das Sturmgewehr AR-15 in den USA so beliebt?

Anhänger der „World Peace and Unification Sanctuary“-Kirche feierten einen Gottesdienst mit ihren Sturmgewehren (Bild: AP Photo/Jacqueline Larma)

Obwohl es immer wieder Tatwaffe in Massenschiessereien wie jener an einer Highschool in Florida vergangenen Februar ist, erfreut sich das halbautomatische Sturmgewehr AR-15 in den USA immens hoher Beliebtheit. Das hat mehrere, auch kulturell verankerte, Gründe.

Welche bizarren Auswüchse die Liebe zur Schusswaffe annehmen kann, zeigt aktuell eine Zeremonie der „World Peace and Unification Sanctuary“-Kirche im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania: Zweihundert Gläubige erschienen auf Aufforderung der Kirche mit – ungeladenen und gesicherten – Sturmgewehren zu einer Messe. Einigen Frauen trugen aus Gewehrpatronen gefertigte Kronen, auch die Pastoren waren bewaffnet und segneten das Gewehr, das zuletzt wieder mit dem tödlichen Amoklauf an einer Schule in Florida in die Schlagzeilen geraten war. Die Erklärung von Pastor Moon Hyung-jin: Schusswaffenbesitz sei gottgewollt und sogar in der Bibel angeordnet.

Doch auch abseits obskurer religiöser Rechtfertigungen ist das AR-15 für viele US-Amerikaner weit mehr als nur eine leicht zugängliche und kostengünstige Waffe. Sie ist im Grunde das zivile Äquivalent des M16 – jenem von der Firma Colt gefertigten Sturmgewehr, das mit seinen Nachfolgern seit Jahrzehnten vom US-Militär verwendet wird. Das Gewehr wurde in zahlreichen US-amerikanischen Kriegen eingesetzt, unter anderem im Vietnamkrieg, Golfkrieg und bei US-Einsätzen in Afghanistan. Zivilisten ist der Erwerb des M16 verboten, die im Gegensatz zum AR-15 zu Dauerfeuer fähig ist. Viele pensionierte Soldaten, die von ihrer Armee-Zeit mit dem M16 vertraut sind, greifen deshalb nach dem Militärdienst gerne zum AR-15.

Die Nähe zum M16 ist auch in anderen Bereichen einer der ausschlaggebenden Faktoren. Das M16 ist eine popkulturelle Ikone. Vor allem in den 1980ern war sie in US-amerikanischen TV-Serien dauerpräsent. In der legendären Action-Serie „A-Team“ etwa sind die Hauptcharaktere immer wieder beim ausgiebigen M16-Gebrauch im Kampf gegen das Böse zu sehen. Auch uramerikanische Filmhelden wie Rambo haben sie verwendet. In den Actionfilmen der 1980er wurde sie so immer wieder als Waffe der Wahl gegen den „Hauptbösewicht“ Russland – der wiederum mit der AK-47 über eine ähnlich ikonische Waffe verfügt. Das M16 – und damit auch sein ziviler Bruder AR-15 – ist für viele ein amerikanisches Symbol von Freiheit und Selbstbestimmung, und somit identitätsstiftend.

Tiffany Teasdale-Cause, Besitzerin eines US-amerikanischen Waffengeschäfts im US-Bundesstaat Washington, hält ein AR-15 der Marke Ruger in die Kamera. (Bild: AP Photo/Elaine Thompson)

Aber nicht nur in Filmen und TV-Serien, auch in zahlreichen Videospielen wird das M16 immer wieder dargestellt und genutzt. Dadurch zementiert sie ihren Status und Bekanntheitsgrad auch bei jüngeren Generationen immer wieder aufs Neue.

Dass gerade auch Verbote zur Legendenbildung beitragen können, zeigte der vom ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton 1994 erlassene „Federal Assault Weapons Ban“, der den Verkauf von halbautomatischen Waffen in den USA verbot. Als er 2004 wieder aufgehoben wurde, kam es zu einer wahren Kaufexplosion und einer erneuten Emotionalisierung des Waffenbesitzes.

Die Popularität hat aber auch durchaus pragmatische Gründe: Das AR-15 (dessen Anfangsbuchstaben übrigens nicht für „Assault Rifle” stehen, wie oft angenommen, sondern für „ArmaLite“ – jene Firma, die die Waffe in den späten 1950er-Jahren konzipierte), ist relativ kostengünstig und leicht modifizierbar. Mancherorts als „das Lego-Kit der Waffenwelt“ bekannt, sind ihre Gestaltungs- und Upgrade-Möglichkeiten vielfältig: Um aus einem AR-15 von der Stange ein Custom-Modell zu machen, braucht es nur ein bisschen Werkzeug und etwas Geschick. Zudem ist das Design des AR-15 mittlerweile gemeinfrei, was zu einem riesigen Angebot an Spezialversionen und Zubehörteilen geführt hat.

Ein weiterer, für Waffengegner beängstigender Grund: Auch wenn die Waffe nicht zu Dauerfeuer fähig ist, können doch sehr viele Schüsse in kurzer Zeit abgegeben werden. Zudem ist der Rückstoß gering. Das – und die einfache Beschaffung – dürfte wohl auch für zahlreiche Attentäter der ausschlaggebende Grund gewesen sein, zum AR-15 zu greifen. Für einen großen Teil der US-Amerikaner ist das allerdings kein Grund, das Waffengesetz zu verschärfen und den Zugang zu halbautomatischen Waffen zu erschweren.