Tatort: So verworren ging es in Köln selten zu

Ballauf und Schenk blickten beim aktuellen Fall bis zum Ende selber nicht durch, worum es eigentlich ging. (Bild: WDR/Martin Valentin Menke)

Beim Kölner Tatort ermittelten Schenk und Ballauf diesmal in der Baubranche. Der Fall verknüpfte zu Beginn gleich mehrere mysteriöse Fälle, die es dem Zuschauer allerdings schwer machten, der Handlung zu folgen. Am Ende gab es eine gewollt überraschende Aufklärung.

Mit den Twists und Turns in einem Krimi ist das so eine Sache. Als Zuschauer wartet man natürlich gespannt darauf, welche Wendungen eine Geschichte nimmt, welche Volten die Filmemacher sich für ihr Publikum ausgedacht haben. Dafür müssen aber auch die inhaltlichen Voraussetzungen stimmen. Nur des Effektes wegen, klappt ein Twist selten. So aber geschehen beim aktuellen Tatort.

Das Resultat: Ein Handlungs-Wirrwarr und eine Auflösung, die zu wünschen übrig ließen.

Der Tatort mit dem nicht ganz verlockenden Titel „Bausünden“ kam diesmal aus Köln. Solide wie immer arbeiteten sich die beiden Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) durch den Fall, der auch gleich gut startete. In einem Innenhof wurde eine tote Frau gefunden. Offenbar war sie von ihrem Balkon im dritten Stock gestürzt. Die Frage lautete nur: Beging die Mitdreißigerin Selbstmord, war es ein Unfall oder wurde sie gar Opfer eines Täters?

Kommissar Ballauf bei der Ermittlungsarbeit im Büro. (Bild: WDR/Martin Valentin Menke)

Doch da entstand schon die erste, von den Filmemachern offensichtlich unbeabsichtigte, Verwirrung: Handelt es sich bei der Toten um jene Frau, die in der Eingangsszene bei SM-Sexspielen unter der Dusche zu Tode stranguliert wurde? Hat der Täter sie einfach trocknen lassen, wieder in ihre Klamotten gesteckt und vom Balkon geworfen? Als Zuschauer hätte man zu diesem Schluss gelangen können, da die Anfangsszene sonst ohne Verbindung zum weiteren Handlungsverlauf stand.

Das Balkonopfer hieß jedenfalls Marion Faust und arbeitete in einem Hotel. Dort wusste aber niemand wichtige Details zu berichten. Schließlich kam noch ein Mann ins Spiel, ein Bauleiter mit dem Namen Lars Baumann (Hanno Koffler). Er vermisste seit einigen Tagen seine Frau Susanne. Eigentlich sollte er für einen Auftrag nach Katar fliegen, um dort an einem Bauprojekt für die Fußball-WM 2022 zu arbeiten. Doch er machte seinem uneinsichtigen Chef klar, dass er zuerst seine Frau aufspüren müsse.

Bald kam die erste Verbindung in dem Fall zum Vorschein: Lars Baumann hatte offenbar Kontakt zu Marion Faust. Die Ermittler wollten den Verdächtigen Baumann im Auto aufs Revier bringen, doch der floh und kam bei seiner Schwägerin Daniela Mertens unter.

Bauunternehmer Waltherscheidt wollte sich umbringen, weil er glaubte, einen Mord begangen zu haben. (Bild: WDR/Martin Valentin Menke)

Am Ende nahm der Tatort eine Wendung, die dann gänzlich für Verwirrung sorgte: Susanne Baumann, die verschwundene Ehefrau, war gar nicht tot. Bei ihr handelte es sich um die Frau in der Anfangsszene, die scheinbar bei dem Sex-Fesselspiel unter der Dusche ums Leben kam. Stattdessen war sie jedoch quicklebendig. Gespielt wurde sie von Jana Pallaske, die in der Folge auch Susanne Baumanns Schwester Daniela gab.

Aber warum war sie noch am Leben? Der Tod in der Dusche war nur eine Inszenierung. Der „Täter“, ein Mann mit dem Namen Waltherscheidt (Max Hopp) sollte glauben, er habe sie umgebracht. Der Chef des Architekturbüros wollte ihn damit für das Bauprojekt in Katar auf seine Seite bringen. Die Hotel-Mitarbeiterin Marion Faust war die einzige Zeugin und wurde daher von einem Mitarbeiter des Architektur-Büros getötet.

Fazit: Ein Tohuwabohu an Motiven, Verknüpfungen und Figuren. Am Ende blieb der geneigte Zuschauer ratlos zurück, wer denn nun warum, weshalb mit wem gemeinsame Sache gemacht hatte.