Tatort „Dunkle Zeit“: AfD-Parabel mit Plot-Twist

Das Ermittler-Duo Falke und Grosz ermittelt im aktuellen Tatort im politischen Milieu. (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Der Hamburger Tatort „Dunkle Zeit“ stand am Sonntagabend ganz im Zeichen des Rechtspopulismus in Deutschland.

In „Dunkle Zeit“ drehte sich alles um die fiktive deutsche Rechtspartei „Neue Patrioten“ und deren unterkühlte Fraktionschefin Nina Schramm (gespielt von Anja Kling). Während Handlung und Hauptpersonen fiktiv waren, ist der AfD-Bezug der „Neuen Patrioten“ kaum zu übersehen gewesen.

Der Plot: Fraktionschefin Schramm erhielt immer wieder Morddrohungen von vermeintlich linken Aktivisten. Nachdem ihr Mann bei einer Autoexplosion getötet wurde, beschuldigte die Rechtspartei – wenig überraschend – den „linken Mob“ als Täter. Als Ermittlerteam wurden – zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit – Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) ins Rennen geschickt.

Schnell war klar, dass zwischen der Rechtspopulistin und Kommissar Falke weder ein Hauch von Sympathie noch politisch-ideologischer Konsens herrschte, auch wenn Schramm die Beamten immer wieder zu vereinnahmen versuchte.

„Dunkle Zeit“ wollte in erster Linie eines: Die politisch gespaltene Stimmung in Deutschland einfangen. Am besten gelang das Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein immer dann, wenn er Kommissar Falke eine Polemik über Asyl oder gegenüber staatlichen Institutionen in den Mund legte. Als Falke daraufhin mit einer Anekdote über gelebten Multikulturalismus aus seiner Heimatgemeinde konterte, quittierte Schramm dies trocken: „Herr Falke, da, wo Sie aufgewachsen sind, habe ich bei den letzten Bürgerschaftswahlen mit meiner Partei 13 Prozent geholt“.

Anja Kling leistete mit ihrer Darstellung der rechtspopulistischen Politikerin Nina Schramm fabelhafte Arbeit. (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Am deutlichsten wurden die Parallelen zur AfD, als ein Polizist konstatierte, die Neuen Patrioten hätten sich „von einer Partei der Professoren und Europa-Skeptiker hin zu einer jung-dynamischen rechtspopulistischen Bewegung” entwickelt – beinahe schon ein Seitenhieb.

Während die rechtspopulistischen Charaktere sowohl adäquat charakterisiert als auch überzeugend gespielt wurden, haperte es bei der Darstellung der linksautonomen Gegenseite an Authentizität. Zu stereotyp wirkten die Antifa-Aktivisten in ihrem Habitus und ihren Aussagen, zu eindimensional geriet die Typisierung.

Zum Ende von „Dunkle Zeit“ wurde deutlich, dass gar nicht jene Linksautonome für den Mord an Schramms Ehemann verantwortlich waren. Stattdessen waren es innerparteiliche Gegner, die die Autobombe legten und somit den für sie potenziell gefährlichen Ehemann von Schramm ausschalteten. Ein überraschender, aber nicht ganz überzeugender Plot-Twist.

Fazit: „Dunkle Zeit“ war ein realistischer, kurzweiliger Tatort, der vor allem in seiner Darstellung der neuen Rechten durchaus überzeugen konnte. Der innerparteiliche Komplott hätte jedoch etwas überzeugender ausgearbeitet werden können.

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