Freitag-Store am Friesenwall: Der Sicherheitsgurt wird zum Taschengriff

Das Unternehmen Freitag stellt Taschen und Reisegepäck aus Lkw-Planen her.

Freitag war nicht nur Robinson Crusoes Gefährte. Freitag ist in den vergangenen Jahren auch zunehmend zu einem Dauerbegleiter für Menschen geworden, die ihre persönlichen Dinge nicht in unpersönlichen Taschen mit sich herumtragen wollen.

Wenn Brummifahrer wüssten, was für einen Wirbel die Umhüllung ihrer Fracht mitunter auslöst, würde manch einer vielleicht ganz andächtig in seiner Fahrerkabine sitzen. Auf der Straße übernachtet – wie vor dem Sneakerladen „The Good Will Out“ habe zwar noch niemand vor ihrem Store, aber wenn in den sozialen Netzwerken von Freitag-Taschen in besonderen Farben – vor allem schwarz – berichtet wird, sei es auch bei ihnen schon zu Schlangen gekommen, sagt Mohammed Darwich.

In dem Zusammenhang erzählt der Shopmanager von dem Hype um die blaue Plane der Spedition Bauberger, die Comics von Handwerkern aufweist. Das seien künstlerisch gar keine dollen Zeichnungen, meint Darwich. Aber bei den Fans – vor allem in Asien – hätten die Strichmännchen nahezu eine Hysterie ausgelöst. Dabei reichte es, dass ein kleiner Ausschnitt des Comics auf einer Umhänge- oder Reisetasche zu sehen war.

Eigener Store am Friesenwall

Freitag ist ein Label, das es in Köln nur im eigenen Store am Friesenwall und dann erst wieder in größerer Entfernung (nicht einmal in der Modestadt Düsseldorf) gibt. Firmengründer sind die Schweizer Brüder Markus und Daniel Freitag, deren Geschichte Darwich augenscheinlich immer wieder gerne erzählt.

Die beiden hätten in den 1990er Jahren als Studenten für sich selber eine Fahrradtasche zum Umhängen gesucht, aber nichts gefunden, das ihnen gefiel. Beim Anblick vorbeifahrender Lastwagen müssen sie wohl gedacht haben, dass das Material der Planen robust und wasserdicht sei.

Weil sie schon früh vom Prinzip der Nachhaltigkeit überzeugt waren und ihnen die Idee gefiel, ein Stück von der Straße zurück auf die Straße zu bringen, klapperten sie für einen Selbstversuch Schrotthändler ab und setzen sich an Mutters Nähmaschine. Dass sie diese erstmal schrotteten, weil das Material doch dicker und schwerer zu verarbeiten war als gedacht, gehörte zu den Erfahrungen, aus denen sie schnell lernten.

Ihr allererstes Modell zähle dennoch bis heute zu den beliebtesten Stücken, sagt Darwich und weist mit einer Armbewegung auf die entsprechende Tasche, die es in ihrer Form in unzähligen Farben und Farbnuancen – sowohl in hochglänzend als auch in stumpf – noch immer gibt.

Reisetaschen werden auch verliehen

Der schnelle Erfolg der Züricher Brüder, die als Trageriemen für ihre Taschen Kfz-Sicherheitsgurte einsetzen und bei den Rand-Abschlüssen Fahrradschläuche verwenden, rief natürlich Nachahmer auf den Plan. So habe, erzählt Darwich, ein großer Schweizer Handelskonzern wenig später ebenfalls eine Lkw-Planen-Kollektion auf den Markt geworfen und diese originellerweise „Donnerstag“ genannt.

Das Unternehmen Freitag ist indes hergegangen und hat sein Firmenlogo im Laufe der Jahre immer kleiner werden lassen. Fans erkennen das Produkt trotzdem. Im Kölner Store stehen rund 1600 Taschen zur Auswahl: von der Clutch bis zur großen Reisetasche. Das ist definitiv zu viel Auswahl, um jedes einzelne Unikat innerlich scannen und dem interessierten Kunden jeweils genau sagen zu können, was sich im einzelnen Karton befindet.

Wenn jedoch jemand auf der Suche nach einer Plane mit einem bestimmten Buchstaben sei, „beispielsweise einem A, weil er Alex oder Achim heißt“, müssen Darwich oder seine Mitarbeiter nicht lange suchen.

Passend zur schulferienbedingten Urlaubszeit verleiht Freitag zurzeit sogar Reisetaschen. Dafür reicht es, den Personalausweis vorzuzeigen, und es kostet nichts. Ansonsten haben die Lkw-Planen-Erzeugnisse durchaus ihren Preis. Mit 280 Euro liegt die große Reisetasche auf der Ebene eines Erzeugnisses aus echtem Leder. Allerdings ist die Verarbeitung und der Aufbau samt dem Innenfutter aus PE-Flaschen mit der Ledertasche durchaus vergleichbar....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta