Tarifbindung in Deutschland nimmt weiter ab

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Tarifbindung nimmt weiter ab

Die Tarifbindung in Deutschland nimmt weiter ab: Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten 2020 insgesamt 43 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit einem Branchentarifvertrag - 2019 waren es 44 Prozent. Deutliche Unterschiede gibt es weiterhin zwischen West und Ost: Während rund 45 Prozent der westdeutschen Beschäftigten zuletzt von einem Branchentarifvertrag profitierten, waren es im Osten nur 32 Prozent.

Auch das war eine Verschlechterung, wie das bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) angesiedelte Institut am Mittwoch mitteilte, denn 2019 galt das noch für 46 beziehungsweise 34 Prozent der in West und Ost Beschäftigten. Gleich blieb den Daten zufolge die Verbreitung von Firmen- und Haustarifverträgen, davon profitierten 2020 und 2019 acht Prozent aller Beschäftigten. Keinen Tarifvertrag gab es 2020 damit für fast die Hälfte der Beschäftigten (49 Prozent), 2019 waren es 48 Prozent.

Besonders hoch ist der Anteil der Beschäftigten, die unter einen Branchentarifvertrag fallen, im Bereich der Öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung mit 80 Prozent, wie die Daten weiter ergaben. Besonders gering ist der Anteil im Bereich Information und Kommunikation mit lediglich elf Prozent. Das IAB befragt jährlich rund 16.000 Betriebe zur Tarifbindung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte, durch eine Flucht aus Tarifverträgen könne letztlich das "Fundament der Sozial- und Wirtschaftsordnung ins Wanken" geraten. Der Staat müsse daher gegensteuern und wirksame Tariftreuegesetze einführen. Nur Unternehmen, die Tarifverträge anwenden, dürften öffentliche Aufträge bekommen, erklärte der DGB. Das forderte auch die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Beate Müller-Gemmeke. "Schlechte Löhne und Tarifflucht" dürften nicht "mit öffentlichem Geld belohnt" werden.

Der Linken-Politiker Pascal Meiser warnte vor einer Gefährdung des sozialen Friedens im Land. Die Stärkung der Gewerkschaften und die Erhöhung der Tarifbindung seien daher "von zentraler Bedeutung".

hcy/jm