Tansania will umstrittenen Bau von Wasserkraftwerk in Wildreservat vorantreiben

Tansania hat eines der größten Wildreservate in Afrika

Ungeachtet der Kritik von Unesco und Naturschützern will Tansanias Präsident John Magufuli den umstrittenen Bau eines Wasserkraftwerks in einem der größten Wildreservate Afrikas vorantreiben. In einer Erklärung forderte der Präsident, "den Staudamm so rasch wie möglich zu bauen", um die für die Industrialisierung des Landes notwendige Stromerzeugung anzukurbeln. Bereits am Mittwoch waren demnach Staudamm-Experten aus Äthiopien zur Beratungen in Tansania.

Der Plan für den Bau eines Wasserkraftwerks im Reservat Selous liegt schon seit längerer Zeit auf dem Tisch. Die Unesco hatte bereits mehrfach angemahnt, das Projekt aufzugeben. Nach ihren Angaben ist der Staudamm mit dem Status des Reservats als Weltnaturerbe nicht zu vereinbaren. Das 50.000 Quadratkilometer große Gebiet ist bereits durch Wilderei, Geldknappheit und Bergbau bedroht.

Nach Angaben der Vereinten Nationen verfügen gerade einmal zwei Prozent der Landbewohner und 39 Prozent der Städter in Tansania über Strom. Das Kraftwerk von Selous soll den Plänen zufolge 2100 Megawatt produzieren. Das Reservat beherbergt sehr große Populationen von Elefanten, Spitzmaulnashörnern und anderen Tierarten.

Magufuli war bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2015 mit dem Versprechen angetreten, den ostafrikanischen Staat wirtschaftlich weiterzuentwickeln, die Korruption zu bekämpfen und den Lebensstandard der Ärmsten zu verbessern. Seit seinem Sieg setzt er sich jedoch mehr und mehr über Verfahrensregeln hinweg und zeigt sich wenig offen für Kritik. Seine Kritiker werfen ihm zunehmend autoritäre und populistische Züge vor.