Talk bei Dunja Hayali: Im Eiltempo durch die deutsche Wirklichkeit

Dunja Hayali. Foto:  ZDF/Svea Pietschmann

Unter die Überschrift „heimatlos” hätte man die ZDF-Talkshow mit Dunja Hayali am Mittwochabend stellen können. Wie immer moderierte sich Hayali durch drei Diskussionsrunden. Ein Einspieler, zwei Stichworte der Gastgeberin, jeweils drei Statements der Gäste – nächstes Thema.

Ein junges Mädchen, in Deutschland geboren, wird plötzlich aus ihrem Leben gerissen und nach Nepal abgeschoben. Viele Russlanddeutsche hierzulande fühlen sich von der CDU im Stich gelassen, wählen deshalb neuerdings die AfD. Und dann wären da noch Wölfe, die – von Menschen gefürchtet oder gehasst – durch die bundesdeutsche Botanik streunern.

Gut integriert und abgeschoben: Abgründe deutscher Asylpolitik

Dunja Hayali (r.) und Bivsi Rana (l.) in Duisburg Foto:  ZDF/Ole Jürgens

Zunächst fragte Hayali: „Weisen wir die Falschen aus?”. Nach der Antwort muss man nicht lange suchen. Sie lautet: ja. Einerseits leben rund 700 sogenannte Gefährder im Land, die nicht abgeschoben werden. Die Hälfte davon hat einen deutschen Pass. Aber selbst Flüchtlinge, wie Anis Amri und Ahmad A., die längst außer Landes sein sollten, konnten hier unbehelligt leben und Menschen töten. Gleichzeitig wurde eine 14-Jährige, die gut integriert in Duisburg lebte, mitten im Schulunterricht abgeholt und in ein Land verfrachtet, das sie nur aus den Erzählungen ihrer Eltern kennt. Ranas Vater, der vor dem Bürgerkrieg in Nepal geflohen war, hatte vor Jahren bei seinem Asylantrag einen falschen Namen angegeben. Deshalb musste er Deutschland verlassen. Seine minderjährige Tochter Bivsi Rana ebenfalls. Juristisch völlig in Ordnung. Doch was Recht ist muss nicht gerecht sein. Was tun?

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius von der SPD kritisierte, dass Bivsi Rana für einen Fehler ihrer Eltern bestraft wurde, erklärte aber gleichzeitig: „Grundsätzlich funktioniert das Asylrecht.” Daran darf man berechtigte Zweifel haben. Andere Ländern sind diesbezüglich deutlich weiter. Wer beispielsweise in den USA oder in Frankreich geboren wird, ist automatisch Amerikaner oder Franzose. Bivsi Rana wäre aus diesen Ländern wohl kaum abgeschoben worden. Doch Sozialdemokrat Pistorius glaubt nicht, dass die Politik das in Deutschland herrschende Abstammungsprinzip zugunsten eines Geburtsortsprinzips abschafft.

Auch Luise Amtsberg, Flüchtlingsexpertin bei Bündnis 90/Die Grünen hatte wenig Substanzielles beizutragen. Sie sagte: „Wir fordern eine menschenrechtliche Politik, die genau auf den Einzelfall schaut.” Nun sind der Attentäter Anis Amri und die gut integrierte Gymnasiastin Rana Beispiele dafür, dass es nicht die beste Idee ist, offenbar überforderte Beamte über Einzelfälle entscheiden zu lassen. Denn die hätten durchaus Spielraum gehabt, dem Mädchen die traumatische Abschiebung zu ersparen. Doch diesen Spielraum nutzen sie erst nach Protesten von Mitschülern, Lehrern und Freunden. Seit einer Woche ist die mittlerweile 15-Jährige wieder in Deutschland, wo sie ihr Abitur beenden darf. „Danach möchte ich studieren und Zahnärztin werden”, sagte Rana gestern im ZDF.

Die Furcht von Zuwanderern vor Zuwanderern

Nach dem zumindest vorläufigen Happy-End drehte sich die Diskussion um entwurzelte Russlanddeutsche. Die machten jahrelang ihr Kreuz mehrheitlich bei der CDU. Seit die Konservativen ihre Familienpolitik modernisiert und zwischenzeitlich die Grenzen für Kriegsflüchtlinge geöffnet haben, sympathisieren immer mehr Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion mit der AfD. In einem Einspieler sagt eine russlanddeutsche Frau: „Die Flüchtlinge vermehren sich schrecklich und die Deutschen vermehren sich gar nicht, deshalb sterben die Deutschen aus.” Zuwanderer, die Angst vor Zuwanderern haben. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ebenso wie die Tatsache, dass im Stadtteil der furchtsamen Frau bis vor kurzem sagenhafte 33 Flüchtlinge lebten. Und selbst die sind mittlerweile in andere Viertel umgezogen.

Nun sind die Russlanddeutschen mit 3,2 Millionen Menschen die größte wahlberechtigte Zuwanderergruppe in Deutschland. Kein Wunder also, dass es bei Dunja Hayali zu einem veritablen Schlagabtausch zwischen CDU und AfD kam. Der Bundestagskandidat der AfD in Pforzheim, Waldemar Birkle, ein Russlanddeutscher, warf der CDU vor, ihre Prinzipien verraten zu haben. Heinrich Zertik, Bundestagsabgeordneter der CDU und ebenfalls Russlanddeutscher, entgegnete: „Die CDU hat die Russlanddeutschen nicht fallen gelassen.” Zum Schluss sagte Dunja Hayali: „Herzlichen Dank für ihr Kommen und die Wahl wird spannend werden.”

Nach den Russen kamen die Wölfe. Etwa 300 Tiere stromern derzeit durch Deutschland, vor allem in Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen. Als Experte war der Tierfilmer Andreas Kieling zu Gast und der gab Entwarnung. Kieling sagte: „Der Wolf ist wieder in Deutschland, weil er hier einen reich gedeckten Tisch findet.” Und das war dann fast schon das Schlusswort unter einer weiterer Folge der Sommerpausen-Schnellplauderunde im Zweiten.

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