Talk bei Anne Will: "Wer erst ballert, ohne zu wissen wer verantwortlich ist, zerballert die Diplomatie."

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über das Thema: “Angriffe des Westens auf Syrien – wie gefährlich ist die Konfrontation mit Russland?” Foto: Screenshot / ARD

Erst vor ein paar Tagen beschäftigte sich der Polittalk bei Sandra Maischberger mit der Frage vor wem Deutschland mehr Angst haben müsse: Russland oder den USA? Am Sonntagabend sprach auch Anne Will mit ihren Gästen über ein ähnliches Thema: “Angriffe des Westens auf Syrien – wie gefährlich ist die Konfrontation mit Russland?” Es entstand ein munteres Gespräch – vor allem weil alle ähnlicher Meinung waren.

Linkenpolitiker und ehemaliger UN-Waffeninspekteur Jan van Aken stellte sofort klar: “Lassen Sie mich ausreden, das habe ich meinen Kindern auch so beigebracht.” Damit war die Gesprächsordnung festgelegt und es folgte eine ruhige “Ich lass den anderen ausreden”- Runde, wie man sie sonst kaum aus Polittalkshows kennt. Ins Wort fallen, war aber in diesem Gespräch auch gar nicht nötig, denn es herrschte allseits große Einigkeit – bis auf ein paar wenige Nuancen. Ausreden lassen – ja. Konfliktpotenzial – nein. Es wurde eine anfangs interessante, später jedoch erlahmende Runde.

Vor kurzem griffen die USA, Großbritannien und Frankreich gemeinsam Ziele in Syrien an. Sie reagierten damit auf einen mutmaßlichen Giftgasanangriff Assads am vergangenen Wochenende – noch bevor die Chemiewaffeninspekteure ihre Arbeit aufgenommen haben. Russland verurteilte den Militärschlag scharf und droht nun mit Konsequenzen.

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Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz ist klar: “Wenn C-Waffen eingesetzt werden – die weltweit verboten sind – darf man nicht wegsehen. Es ist notwendig, den Versuch zu unternehmen, dem Einhalt zu gebieten. Eine andere Frage ist es, den Krieg in Syrien zu beenden. Da helfen diese Anschläge von den USA, England und Frankreich nicht. Wir haben keine Kriegsbeendigungsstrategie, sondern einen Scherbenhaufen westlicher Politik.”

Jan van Aken hingegen ist gar nicht so überzeugt davon, dass das US-geführte Bündnis im Recht war, diesen Anschlag durchzuführen: “Nach dem Einsatz von chemischen Waffen muss man bestraft werden. Aber das muss doch rechtsstaatlich geschehen! Nicht wie meine Vorredner sagen: erst schießen, dann fragen, dann ermitteln. Das ist doch total verkehrt herum. Wer erst ballert, ohne zu wissen wer verantwortlich ist, zerballert die Diplomatie. Im Wilden Westen nannte man das Lynchjustiz.”

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Norbert Röttgen sitzt ebenfalls bei Anne Will und ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. Der CDU-Politiker spricht von einem “Krieg der Worte auf beiden Seiten.” Aber: “Beide Seiten haben kein Interesse an Eskalation. Die Strategie Putins, wieder auf Augenhöhe mit den USA zu sein, geht auf.”

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Van Aken baut wiederum auf den neuen Außenminister Heiko Maas: “Wir sollten uns locker machen und abwarten. Ein konkreter Vorschlag: Heiko Maas soll mal machen und die Russen und Amerikaner an den runden Tisch holen und mit guter deutscher Diplomatie reden” Wenn das so einfach wäre, findet Norbert Röttgen. Rechtsstaatliche Verfahren ließen sich mit Putin und Assad nicht durchführen.

Eine schließende Zusammenfassung des Konflikts findet Wolfgang Ischinger: “It takes two to tango.” Was wohl heißen soll, dass sich beide Seiten die westlichen Mächte, ebenso wie Russland aufeinander zubewegen müssen. Oder im umgekehrten Fall: Wenn sie es nicht tun weiter den Tanz ums heiße Feuer tanzen müssen. Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch die Runde bei Sandra Maischberger gekommen.

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