Taliban schwören Rache für Luftangriff mit dutzenden Toten und Verletzten

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Gräber der Opfer des Luftangriffs in der Provinz Kundus

Nach dem verheerenden Angriff der afghanischen Luftwaffe in der Provinz Kundus mit dutzenden Toten und Verletzten, darunter Kinder, haben die Taliban Rache geschworen. In einer am späten Mittwochabend veröffentlichten Erklärung drohten die islamistischen Kämpfer den Verantwortlichen des "Schwerverbrechens" mit Vergeltung.

Der Regierung und dem Militär zufolge galt der Angriff vom Montag einem Stützpunkt der Taliban, auf dem ranghohe Kommandeure neue Attacken planten. Zunächst bestritt die Armee, dass unter den Toten und Verletzten auch Zivilisten seien. Später machte sie die Taliban dafür verantwortlich, Zivilisten erschossen zu haben. 18 Taliban-Kommandeure seien bei dem Luftangriff getötet und weitere zwölf verwundet worden.

Dagegen teilten afghanische Sicherheitsvertreter sowie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP mit, Armeehubschrauber hätten im Bezirk Daschte Artschi der nordöstlichen Provinz eine Koranschule unter Beschuss genommen. Dort sei gerade eine Abschlussfeier im Gang gewesen. Es habe mindestens 59 Tote gegeben, unter ihnen Taliban-Kommandeure. Nach Angaben von Gesundheitsdiensten wurden mindestens 57 Verletzte in ein Krankenhaus der Provinzhauptstadt Kundus gebracht.

Ein AFP-Fotograf konnte mit einer Erlaubnis der Taliban am Mittwoch als einer der ersten Journalisten vor Ort sein. Das Gebiet liegt tief im von Taliban kontrollierten Territorium und ist üblicherweise für Medien nicht zugänglich. Die Koranschule (Madrassa) und die Moschee schienen unbeschädigt zu sein. Doch in einem Feld neben der religiösen Anlage, wo offenbar die Abschlusszeremonie stattfand, klaffte ein Loch. Anwohnern zufolge stammte es von einer Rakete.

Zu sehen waren auch Stapel von Kopfbedeckungen und Schuhen, die den Angaben zufolge von Opfern stammten. Etwas weiter war mindestens ein halbes dutzend Gräber frisch ausgehoben.

Ein Anwohner, der 40-jährige Abdullah, sagte AFP, die Zeremonie habe sich dem Ende zugeneigt, als die Luftwaffe "unschuldige Kinder bombardiert" habe. Kinder und ältere Menschen seien verletzt worden. Naim Mangal, ein Arzt in dem Krankenhaus, in das die meisten Verletzten gebracht wurden, sagte AFP, "Teile und Splitter von Bomben" hätten "sämtliche Opfer" getroffen.

Die Taliban haben seit dem Abzug der Nato-Kampftruppen 2014 große Teile Afghanistans wieder unter ihre Kontrolle gebracht. In den vergangenen Monaten verübten sie vermehrt Anschläge in der Hauptstadt Kabul.

In Kundus befand sich während des Isaf-Einsatzes in Nordafghanistan das Feldlager der Bundeswehr. 2013 übergaben die deutschen Truppen das Lager nach zehn Jahren an afghanische Sicherheitskräfte.