Taliban wollen letzte Widerstandshochburg im Pandschirtal einnehmen

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Die Taliban haben die Widerstandsgruppe Nationale Widerstandsfront (NRF) im afghanischen Pandschirtal umstellt, suchen aber nach Angaben eines Sprechers das Gespräch und weniger die militärische Konfrontation. "Das Islamische Emirat versucht, diese Angelegenheit friedlich zu lösen", erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Montag im Onlinedienst Twitter.

Taliban-Kämpfer seien "nahe Pandschir stationiert", erklärte Mudschahid. Das Gebiet sei von drei Seiten eingekreist. In der Nacht hatte es vereinzelt Bericht über Kämpfe in der Region nordöstlich der Hauptstadt Kabul gegeben.

Unterstützer der NRF widersprachen in Online-Plattformen Berichten, dass die Taliban ihre Kämpfer zurückdrängen würden und erklärten, Taliban-Kämpfer seien in einen Hinterhalt geraten und aufgerieben worden. Die Angaben beider Seiten sind derzeit kaum unabhängig zu überprüfen, da die abgelegene Region schwer zugänglich ist.

Widerstand richtet sich auf langen Kampf ein

NRF-Sprecher Ali Maisam Nasari sagte der Nachrichtenagentur AFP am Wochenende, dass die Kämpfer sich auf "einen langfristigen Konflikt" einstellen würden. Die Gruppe suche aber auch Verhandlungen mit den Taliban über eine Beteiligung an der Regierung. "Die Bedingung für einen Friedensschluss mit den Taliban ist Dezentralisierung, ein System, das soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Rechte und Freiheit für alle sichert", sagte Nasari.

Anti-Talibankämpfer im Pandschirtal (Bild: AFP / Ahmad SAHEL ARMAN)
Anti-Talibankämpfer im Pandschirtal (Bild: AFP / Ahmad SAHEL ARMAN)

Das Pandschirtal ist eine der wenigen Regionen in Afghanistan, die sich nach dem jüngsten Eroberungsfeldzug der Taliban noch der Kontrolle der Islamisten entziehen. Das Tal gilt als Hochburg des Widerstandes, weil es in der Vergangenheit weder von sowjetischen Soldaten noch von den Taliban eingenommen wurde.

Ahmed Massud, dem Sohn eines berühmten Taliban-Gegners und Kriegsherrn, haben sich offenbar auch ehemalige Angehörige der afghanischen Streitkräfte angeschlossen, die wegen des Vormarschs der Taliban nach Pandschir geflohen waren. Es solle eine Truppe von 9000 Kämpfern entstehen, sagte Nasari.

Warnung vor "Blutvergießen"

Massud warnte die Taliban am Sonntag vor einer Offensive im Pandschirtal. "Die Taliban werden nicht lange überleben, wenn sie diesen Weg weiter beschreiten", sagte er im Fernsehsender Al-Arabija. "Wir sind bereit, Afghanistan zu verteidigen, und wir warnen vor einem Blutvergießen."

Berichten zufolge sollen am Wochenende Milizen große Teile der Provinz Baglan nördlich von Kabul von den Taliban befreit haben. Unklar blieb zunächst ob, wie teilweise vermeldet wurde, auch die Stadt Kundus an die Widerstandskräfte fiel.

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