Methode Chaos: Mit Taktik hatte das nicht mehr viel zu tun!

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Methode Chaos: Mit Taktik hatte das nicht mehr viel zu tun!
Methode Chaos: Mit Taktik hatte das nicht mehr viel zu tun!

Dass es für das DFB-Team gegen die Ungarn unangenehm werden könnte, war im Vorfeld der gestrigen Partie nicht auszuschließen.

Immerhin hatten die Außenseiter in der EM-Gruppe F auch Portugal und Frankreich das Leben schwer gemacht. Allerdings verkam die Vorstellung der Deutschen beim hart umkämpften 2:2 fast schon zu einem Offenbarungseid - defensiv zu anfällig und offensiv ideenlos wirkte die Nationalmannschaft über weite Strecken. (Einzelkritik: Diese DFB-Stars bekommen eine 5)

Bundestrainer Joachim Löw nahm im Vergleich zum 4:2-Sieg gegen Portugal lediglich eine Änderung vor: Für den angeschlagenen Thomas Müller kam Leroy Sané rein. Löw blieb derweil beim nun erprobten 3-4-3-System.

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Und in der Frühphase der Partie sah es sogar so aus, als könnte Deutschland den Gegner rasch knacken. Die hochstehenden Flügelläufer Joshua Kimmich und Robin Gosens unternahmen einige Sprints hinter die letzte Linie der Ungarn und wurden mit langen Vertikalbällen angespielt. Zudem suchten Serge Gnabry und Kai Havertz regelmäßig mit Erfolg die Lücken in der ungarischen Fünferkette.

Ungarische Kontergefahr nicht unterbunden

Doch diese guten Ansätze versandeten mit der Zeit, was nicht einmal unbedingt mit dem Führungstreffer Ungarns in der elften Minute zu tun hatte. (Die Achtelfinalpartien im Überblick)

Es war schlicht so, dass den Deutschen nach einigen nicht erfolgreichen Spielzügen zusehends die Ideen ausgingen. Folglich wurde das Spiel wieder statischer und die aussichtslosen Halbfeldflanken - ein ständiger Begleiter der DFB-Elf bei dieser EM - nahmen wieder zu.

Die deutsche Ideenlosigkeit hatte auch zur Folge, dass Ungarn häufiger den Ball erobern und über die schnellen Flügelspieler Loïc Nego und Attila Fiola ins Konterspiel gelangen konnte.

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Deutschlands Doppelsechs mit Problemen

Deutschland war dagegen nur mäßig abgesichert, gerade weil Kimmich und Gosens oft so hoch positioniert standen.

Toni Kroos und Ilkay Gündogan mussten vielfach die Räume zulaufen, zeigten aber erwartungsgemäß deutliche Dynamiknachteile in der Rückwärtsbewegung gegen die sprintstarken Ungarn.

Dies war auch ein Grund, weshalb Löw zur Halbzeit auf ein Dreiermittelfeld umstellte, indem er Kimmich von rechts in die Mitte zog. Der Bundestrainer wollte mehr Kreativität im Zentrum und zugleich mit Gegenpressing-Spezialist Kimmich die Absicherung erhöhen.

Doch nach vorn hin fehlten die zündenden Ideen, zumal das Stellungsspiel der drei Angreifer immer statischer wurde.

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Löw setzt auf die Methode Chaos

In der Schlussphase griff Löw auf die Methode Chaos zurück, als er immer mehr Offensivkräfte einwechselte - in der Hoffnung, dass diese schon zusammen improvisieren könnten.

Heraus stachen dabei vor allem Leon Goretzka als Antreiber und Jamal Musiala als quirlige Anspielstation. Mit ausgeklügelter Taktik hatte das nicht mehr viel zu tun. Stattdessen bauten die Deutschen auf ihre individuelle Klasse. Gegen Ungarn mag das noch für ein 2:2 genügen. Aber der Achtelfinalgegner England befindet sich individuell mindestens auf Augenhöhe.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland gegen England wieder an die Leistung aus dem Portugal-Spiel anknüpfen kann. Allerdings muss dafür der Gegner - ähnlich wie kürzlich Portugal - die Fehler begehen und sich falsch auf Deutschland einstellen.

Die DFB-Elf selbst wird nicht aus eigener Initiative heraus die passenden Lösungen finden, um die Engländer zu knacken. Zu dieser traurigen Einsicht mussten wir bei dieser EM bereits kommen.

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