Take-Two nach Zahlen – die Luft ist raus

Benedikt Kaufmann
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Take-Two nach Zahlen – die Luft ist raus

Die Gaming-Branche bleibt heiß, doch bei Take-Two Interactive scheint die Puste nachzulassen. Die Zahlen zum dritten Quartal konnten Anleger und Analysten nicht überzeugen. Nachbörslich fällt die Aktie um fünf Prozent.

Der Erlös blieb mit 481 Millionen Dollar auf dem Niveau des Vorjahres. Die Umsatzkosten konnten jedoch deutlich gesenkt werden und die Betriebskosten stiegen nur leicht an. Dem Spieleentwickler bleibt damit im dritten Quartal ein Gewinn von 0,21 Dollar je Aktie.

Take-Two Chef Strauss Zelnick hob insbesondere die Performance von GTA V und des Sporttitels NBA 2K18 hervor. Auch heute – über vier Jahre nach dem Release – ist der Mehrspielermodus von GTA V unglaublich beliebt. In der Zahlenkonferenz sagte Zelnick: „2017 war bis jetzt das beste Jahr für Grand Theft Auto Online, das Videospiel spielten im Dezember mehr Spieler als jemals zuvor.“ Überraschend stark war auch der Absatz des Basketball-Spiels NBA 2K18. „Das Spiel verkaufte sich über acht Millionen mal und damit um 25 Prozent häufiger als der Vorgänger aus dem Vorjahr“, so Zelnick.

Geschäft stabilisiert sich weiter

Take-Two liefert seinen Anlegern ein robustes Quartal und hält die Gewinn- und Verlustrechnung stabil. Positiv für einen Spieleentwickler in dieser Größenordnung, der nicht jedes Jahr einen neuen AAA-Titel veröffentlichen kann. Die jährlich erscheinenden Sportspiele sind der entscheidende Grund für die weniger schwankenden Finanzergebnisse. Doch Take-Two bemüht sich weiter. So kündigte der Konzern die Gründung eines neuen Vertriebssegments namens „Private Division“ an, das sich auf die Veröffentlichung von Spielen aus kleineren, unabhängigen Entwicklerstudios spezialisiert.

Doch Anleger investieren nicht in eine heiße Wachstumsbranche, um wiederkehrende Erlöse ohne Wachstum zu erhalten. Und nachdem Take-Two Anfang Januar bereits zum zweiten Mal das heiß ersehnte „Red Dead Redemption 2“ verschoben hat, müssen Anleger ein Jahr warten, bis es die nächste Überraschung aus dem Hause Take-Two geben dürfte. Der Aktie könnte bis dahin die Puste ausgehen.

Teilgewinne mitnehmen

DER AKTIONÄR rät Anlegern, im aktuellen Marktumfeld mindestens die Hälfte der Gewinne bei Take-Two mitzunehmen. Die Aktie steht genau ein Jahr nach der Erstempfehlung in DER AKTIONÄR 07/2017 mit 86 Prozent (auf Eurobasis!) im Plus und ist bei weitem nicht mehr günstig bewertet. Da erst im Weihnachtsquartal 2018 neue Wachstumsimpulse erwartet werden, könnte sich im Jahresverlauf zu günstigeren Preisen eine Nachkaufchance bieten. Wer die mitgenommenen Gewinne umgehend wieder in die Gaming-Branche investieren will, ist aktuell mit Activision Blizzard, Electronic Arts oder Tencent besser beraten.

Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß §34b WpHG: Der Autor hält Positionen an Activision Blizzard, die von einer etwaigen aus der Publikation resultierenden Kursentwicklung profitieren.