Die zwei Gesichter der Börse


Der Dax ist das bekannteste Produkt der Deutschen Börse - und am Donnerstag erreichte der Index der wichtigsten deutschen Aktiengsellschaften einen neuen Höchststand. Doch das heißt nicht, dass für die Aktionäre der Börse der Tag ein Grund zum Jubel war. Im Gegenteil.

Den 26. Oktober 2017 werden viele Investoren des Konzerns so schnell nicht vergessen – auch wenn sie es wohl gerne würden: Erst kündigte Vorstandschef Carsten Kengeter seinen Rückzug zum Jahresende an. Und dann kassierte das Unternehmen auch noch seine Prognose für das Jahr 2017. Grund dafür ist die Flaute an den Märkten, an denen es in den vergangenen Monaten keine nennenswerten Ausschläge gab. Zwar liegt der Dax auf Rekordhoch, doch die Kursschwankungen waren nicht so groß, dass viel an der Börse gehandelt wurde.

„Infolge anhaltender negativer zyklischer Effekte werden wir unsere Ziele für das Gesamtjahr 2017 sehr wahrscheinlich nicht ganz erreichen können“, erklärte Finanzchef Gregor Pottmeyer am Donnerstagabend. Das Unternehmen hatte das Ziel ausgegeben, die Nettoerlöse pro Jahr um fünf bis zehn Prozent auszubauen und den um Sondereffekte bereinigten Gewinn um 10 bis 15 Prozent.


Bereits bei der Präsentation der Halbjahreszahlen hatte Pottmeyer ein Fragezeichen hinter die Prognose gesetzt – und auf höhere Marktschwankungen im zweiten Halbjahr gehofft. Doch diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. „Die Volatilität – sie ist einer der Haupttreiber der Handelsaktivität auf den Kassa- und Terminmärkten – blieb im Quartalsdurchschnitt auf sehr niedrigem Niveau“, heißt es im Zwischenbericht. Auch im vierten Quartal rechnet das Unternehmen nicht mehr mit einer deutlichen Belebung. Und die Deutsche Börse weist darauf hin, dass viele Anleger derzeit wegen des bevorstehenden Brexits verunsichert sind.

Pottmeyer im Fokus

Am meisten unter der Flaute an den Märkten litt die Derivate-Sparte Eurex, deren Betriebsgewinn (Ebit) im dritten Quartal um zehn Prozent zurückging. Deutlich zulegen konnten dagegen die Wertpapierverwahr-Tochter Clearstream und das Marktdatengeschäft. Konzernweit stiegen die Nettoerlöse von Juli bis Ende September um drei Prozent auf 576 Millionen Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss stieg um vier Prozent auf 198 Millionen Euro.

Trotz der schwachen Entwicklung in den vergangenen Monaten sieht Finanzchef Pottmeyer das Unternehmen gut positioniert, „um mittelfristig von strukturellem und zyklischem Wachstum zu profitieren. Daher bestätigen wir unsere Prognose für jährliches Gewinnwachstum von 10 bis 15 Prozent in den Jahren 2018 und 2019“, sagte er.

Am Freitag wird Pottmeyer das Zahlenwerk wie üblich Analysten und Investoren in einer Telefonkonferenz vorstellen und sich anschließend ihren Fragen stellen. Viele werden dabei dieses Mal besonders gut hinhören, schließlich gilt Pottmeyer als ein möglicher Nachfolger von Kengeter. Der 55-jährige Saarländer genießt bei vielen Investoren einen guten Ruf. Die meisten Großaktionäre sehen ihn jedoch eher als eine Übergangs- und nicht als eine Dauerlösung.