„Tag des guten Lebens“: Deutz zeigt, wie sich der öffentliche Raum zurückerobern lässt

Zum vierten Mal wollte die Aktion zum Nachdenken über zukünftiges Leben anregen.

Auf einem der Parkplätze, die für den „Tag des guten Lebens“ am Sonntag auf der Deutzer Freiheit geräumt wurden, steht Anna-Karin Engdahl und zeigt ihre „schwedischen Favelas“. Was das eigentlich ist, erschließt sich nicht gleich, das Projekt ist vor allem ein Symbol: „Ich sehe zwar eher Rumänisch aus, aber wenn ich den Menschen sage, ich komme aus Schweden, sind sie direkt begeistert“, sagt Engdahl. „Das ist eigentlich ganz schön bescheuert.“ Mit Schweden verbänden die Menschen Offenheit und Reichtum, aber bestimmt aber keine „Favelas“, die Engdahl aus Pappkartons bastelt. „Vielleicht“, sagt sie, „sind wir nur materiell reich, aber innerlich arm.“

Die Metapher der Künstlerin passt zum „Tag des guten Lebens“, der erstmal nach einer willkommenen Aktion klingt, um sein Gewissen zu erleichtern: Einmal das Auto stehen lassen, Müll sammeln, vielleicht ein Porträt eines Deutzer Fotografen kaufen, weil die Einnahmen der Kita St. Heribert zu Gute kommen; die Kinder einen Stromkasten bemalen lassen, ein paar Euro für Greenpeace spenden, seinen Tisch und die Campingstühle nach draußen stellen und mit den Nachbarn plaudern.

Deutzer Brücke und 30 Straßen gesperrt

Aber natürlich ist der „Tag des guten Lebens“, der zum vierten Mal von der Bürgerinitiative Agora Köln veranstaltet wurde, auch ein Symbol – und eine Anregung, wie wir künftig leben sollten. Nämlich ein bisschen weniger individualistisch, dafür nachhaltiger, gemeinschaftlicher und politischer. Den öffentlichen Raum erobern – am Sonntag sind ein Teil der Deutzer Brücke und 30 Straßen im Veedel gesperrt – das ist eine politische Aktion. Es geht darum, zusammen zu entscheiden, wie gemeinsamer Besitz gestaltet und wie dort gelebt wird – jenseits sozialer oder religiöser Grenzen, die in Zeiten von Terror und Turbokapitalismus von vielen stark betont werden.

Am Sonntag entscheiden sich die Menschen zum Beispiel fürs Tischtennisspielen, Insektenhotels bauen, für Kaffeeklatsch, Grillen auf der Straße, Haus-Flohmärkte, Wasserstemmen, Kinderparcours, Tanzen, Live-Musik-Hören. Die Künstlerin Anja Eberhart hat in ihrem Atelier in der Tempelstraße einen Bienenwaben-Lautsprecher installiert, um auf die Gefährdung der Insekten aufmerksam zu machen. Ein paar Meter weiter singen vor der evangelischen Kirche die „Cologne Singers“ aus Poll, während vor der katholischen Kirche der Jedermann-Chor aus Deutz auftritt.

Auf dem Schaurte-Plätzchen schreiben und malen Anwohner, wie dieser Flecken Deutz künftig gestaltet werden soll. Architekten haben an der Luisenstraße, Ecke Reischplatz mehrere Umzugskartons hingestellt, die zu Pyramiden, Burgen und Wänden verarbeitet werden. Die Botschaft: Jeder kann die Zukunft der Stadt mitgestalten.  ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta