Tag der Architektur: Blicke hinter die Fassaden von 27 Kölner Bauten

Am bundesweiten Aktionstag öffneten Architekten die Türen für Interessierte.

Der Blick auf den Dom ist wahrscheinlich der größte Standortvorteil. Wer im zehnten Stock des Steigenberger-Hotels aus dem Fenster der Suite schaut, dem liegt die Stadt zu Füßen. „Hier kommt man ja sonst nicht hin, das ist schon beeindruckend“, sagte Charlotte Freimuth, als sie sich am Samstagnachmittag in dem Luxus-Appartement umschaute.

Das Hotel am Rudolfplatz war eines von 27 Kölner Bauwerken, die am Wochenende zum bundesweiten Tag der Architektur ihre Türen für Besucher öffneten. Köln war dabei landesweit die Hochburg der Architektur. In keiner anderen Stadt in Nordrhein-Westfalen beteiligten sich so viele Architekten an dem Aktionstag.

In den Fluren des Steigenberger-Hotels liegt auch knapp ein Jahr nach der Eröffnung immer noch der Geruch von frisch verlegtem Teppich und neuen Möbeln in der Luft. Architektin Christiane May hat die 305 Zimmer sowie die Konferenzetage, die Lobby und die Rezeption komplett umgestaltet. Ein wichtiger Faktor dabei war die Transparenz. „Wir wollten, dass man zumindest aus den öffentlichen Bereichen hinaus, aber vor allem auch von außen hereinschauen kann“, so May.

Viel Glas und Leichtigkeit

Die vielen Glasflächen repräsentierten eine Leichtigkeit, die charakteristisch für das Gebäude sei. Und dazu gehört eben auch, dass der Gast der Suite aus dem Bett heraus auf den Dom blicken kann. Mindestens 700 Euro kostet dieser Luxus pro Nacht. Von außen sind die 23 Millionen Euro, die die Sanierung des Gebäudes gekostet hat, übrigens nicht zu sehen. Weil die 60er-Jahre-Fassade des Hauses unter Denkmalschutz steht, musste sich Architektin May auf den Innenausbau konzentrieren.

Während sie die Besucher durch die sanierten Räume der Luxusherberge führte, ging es bei ihrem Mann Rolf May deutlich bodenständiger zu. Der Architekt hatte das gemeinsame Büro des Paars in der Körnerstraße in Ehrenfeld geöffnet, das bis Ende der 90er Jahre noch eine Pferdemetzgerei war.

Nachdem dort zwischenzeitlich ein Schreibbüro und eine Galerie untergebracht waren, entschieden sich die Mays 2012, den Laden als Architekturbüro zu nutzen. Die kühlen Kacheln an den Wänden sind zwar verschwunden, doch die schwere Kühlhaustür ist immer noch Beleg für die Vergangenheit des Ladenlokals. „Das ehemalige Kühlhaus ist für uns tatsächlich auch heute noch ein sehr wichtiger Raum“, sagt May.

Hier lagern Materialproben von Tapeten, Teppichen und Holz. Die Idee, aus der Metzgerei ein Büro zu machen, habe sich eher beiläufig ergeben. „Das Gebäude stand eben leer, und weil ich kein Metzger werden konnte, haben wir uns das zum Büro umgebaut.“ An der großen Fensterfront der Metzgerei haben die Mays nichts geändert, Konsequenz ist, dass sie hinter einem großen Schaufenster arbeiten. „Das ist außergewöhnlich, aber man gewöhnt sich dran“, so May.

Vor zwei Jahren eröffnet

An das transparente Arbeiten mussten sich auch die Auszubildenden gewöhnen, die im Neubau des Bildungszentrums Butzweilerhof arbeiten. Die Kölner Handwerkskammer hat hier vor zwei Jahren ein Technologie- und Bildungszentrum eröffnet, in dem Azubis aus der Energie- und Baubranche lernen. Dazu gehört auch die Arbeit mit Wärmepumpen, Brennstoffzellen und Solarenergie. All diese Anlagen, die sonst in Kellerräumen untergebracht sind, stehen hinter einer großen Glasfassade im Erdgeschoss.

„Schrecklich, wenn sich das Handwerk mit diesen Zukunftstechnologien unter der Erde versteckt“, sagt der Bochumer Architekt Thomas Schmidt, der das 1000 Quadratmeter große Gebäude geplant hat. Dabei hat das Haus in vielen Bereichen eine nicht ganz offensichtliche Doppelfunktion. „Fast alle Dinge in diesem Gebäude dienen zu Schulungszecken“, sagt Schmidt.

Da sind etwa die Fliesen. Im Erdgeschoss bilden die Fugen durchgehende Linien, in der ersten Etage sind die Fliesen versetzt verlegt. So sollen die Jugendlichen direkt an ihrer Ausbildungsstätte lernen, was alles möglich ist. Oder der Sonnenschutz. Hier haben die Architekten vier Systeme verbaut. Von der klassischen Lamelle an der Außenseite des Fensters bis zum speziellen Sonnenschutzglas.

Weil der Fokus der Schulungen in dem Gebäude auf der Ausbildung von Fachleuten in der Energiebranche liegt, entsteht praktisch als Nebenprodukt deutlich mehr Energie, als verbraucht wird. Die überflüssige Energie aus der Hackschnitzel-Anlage und Wärmepumpe heizt die benachbarten Gebäude auf dem Gelände. Insgesamt ist so ein Gebäude entstanden, dass viele Zukunftstechnologien vereint, die unter normalen Umständen nicht unter einem Dach verbaut werden würden.

Ein ganz anderes Umfeld und doch einen ähnlichen Vorbildcharakter hat die Christuskirche am Stadtgarten. Neben dem 77 Meter hohen Turm aus dem Jahr 1894 haben die Architekten Klaus Hollenbeck und Walter Maier zwei Gebäude gesetzt, die auf 3400 Quadratmetern Fläche Platz für 21 Wohnungen und acht Büros bieten. „Uns war es wichtig, dass wir die Kirche nicht instand setzen, sondern die Schäden, die hier im Krieg entstanden sind, auch zeigen“, sagt Hollenbeck.

Lärmschutz eine besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung bei der Planung sei der Lärmschutz gewesen. 40 Zentimeter dicke Betonwände verhindern, dass der Gesang aus dem Kirchraum die Bewohner nebenan stört. Und auch die hellen, geschwungenen Fassaden haben die Architekten zunächst vor ein Problem gestellt.

„Wenn wir da ganz normale Regenrohre montiert hätten, wäre die Fassade dahin gewesen“, sagt Hollenbeck. Die Lösung ist ein etwa 300 Meter langes Entwässerungssystem, dass den Regen versteckt hinter dem Putz abfließen lässt.

Knapp zehn Millionen Euro hat die Evangelische Kirche in den im vergangenen Jahr fertiggestellten Neubau gesteckt. Geld, dass sich langfristig auszahlt, meint Hollenbeck. „Einen neuen Kirchenraum zu bauen ist langfristig deutlich günstiger als einen alten Kirchenraum zu erhalten.“ Die Energiekosten seien deutlich geringer als bei einem alten Gebäude. Insofern könne die Christuskirche Vorbild für andere Gotteshäuser...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta