Tag 6 der Berlinale: Ein Ehrenbär für Willem Dafoe und minutenlanger Applaus für DDR-Drama

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
Die Berlinale ehrte Hollywoodschauspieler Willem Dafoe mit dem Goldenen Ehrenbären. (Bild: ddp Images)

Nach einem eher düsteren Wochenstart am Montag und der ersten Kontroverse, die vom Wettbewerbsfilm „Utøya 22. Juli“ entfacht wurde, gab es an Tag sechs der Berlinale wieder Grund zur Freude. US-Schauspieler Willem Dafoe wurde am Dienstagabend mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet.

Eigentlich sei er für den Preis ja zu jung, wie der 62-Jährige in einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag scherzte: „Ich bin nicht alt, Sie haben ja keine Ahnung.“ Dennoch fühle sich Dafoe, den eine jahrelange Geschichte mit der Berlinale verbindet, geehrt. Regisseur Wim Wenders durfte dem Mann des Abends jenen Preis überreichen, den er für die Vielfältigkeit seiner Rollen in einer 40-jährigen Karriere als Schauspieler erhielt. In seiner Laudatio erklärte Regisseur Wenders: „Jeder Schauspieler ist einzigartig, Willem Dafoe ist einzigartiger.“ Zudem sei Dafoe der einzige Schauspieler, der sowohl Christus als auch Antichrist gespielt habe, erklärte der Regisseur treffend.

Hollywoodschauspieler Joaquin Phoenix auf der Pressekonferenz zum Film „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“. (Bild: ddp Images)

Doch nicht nur dank Willem Dafoe wehte an diesem Abend ein goldener Wind Hollywoods durch die Hauptstadt. Auch US-Regisseur und Golden-Globe-Gewinner Gus Van Sant feierte an diesem Abend die Premiere seines Films „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“: Eine Autobiografie über den querschnittsgelähmten Cartoonisten John Callahan, gespielt von Joaquin Phoenix. Der wäre an diesem Abend fast nicht auf dem roten Teppich erschienen. Auf der Pressekonferenz sagte er: „Ich mag Festivals nicht, überhaupt nicht. Aber heute bin ich froh, hier zu sein.“ Vielleicht lag es auch daran, dass ihm das Werk von Gus Van Sant zu viel bedeutet, um redselig zu sein: „Es war eine großartige Arbeit. Ich kann da nichts analysieren. Ich spiele einfach“, erklärte Phoenix.

Und noch ein Film sorgte an diesem Tag für einen Gänsehautmoment. Nachdem das DDR-Drama „Das schweigende Klassenzimmer“ am späten Dienstagabend seine Premiere im Friedrichstadt-Palast feierte, gab es minutenlangen Applaus.

Die Darsteller des DDR-Dramas „Das schweigende Klassenzimmer“ (v.l.n.r.): Isaiah Michalski, Leonard Scheicher, Anna Lena Klenke, Jonas Dassler und Tom Gramenz. (Bild: ddp Images)

Der Film erzählt die wahre Geschichte über eine Schulklasse in dem DDR-Vorzeigeort Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt. Nachdem die Schüler aus Solidarität mit dem niedergeschlagenen Volksaufstand in Ungarn eine Schweigeminute einlegen, wird die gesamte Klasse der Schule verwiesen und ihnen das Abitur verboten.

Zur Premiere erschien auch der Autor des gleichnamigen Buches, Dietrich Garstka. Über die Geschichte, die als Vorlage für den Film diente, sagte er: „Ich habe das ganze dreimal erlebt. Zum ersten Mal 1956, mit 17 Jahren, zum zweiten Mal, als ich das Buch schrieb, irgendwas mit 60, und zum dritten Mal, am intensivsten, als der Film entstand.“