T-Mobile-US-Fusion ist endgültig geplatzt

Die geplante Fusion zwischen der Telekom-Tochter T-Mobile US und dem Wettbewerber Sprint ist gescheitert. Offenbar konnten sie sich nicht darauf einigen, wer wieviel Macht bekommt.


Nach monatelangen Verhandlungen sind die Gespräche über einen Zusammenschluss der US-Mobilfunker T-Mobile US und Sprint geplatzt. Die Deutsche Telekom und der japanische Konzern Softbank konnten sich offenbar nicht darauf einigen, wieviel Einfluss die Unternehmen jeweils haben sollen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung gaben die beiden Telekommunikationsanbieter bekannt, die Fusionsgespräche würden nicht fortgeführt. Die Aussicht die beiden Unternehmen zusammenzuführen sei aus vielen Gründen verführerisch gewesen, erklärte T-Mobile- US-Chef John Legere in der Mitteilung. Experten hatten die Synergieeffekte bei einer Fusion bis zu 45 Milliarden Dollar geschätzt.

Allerdings sei immer klar gewesen, sagte Legere, dass ein Deal langfristig den Wert für T-Mobile-Aktionäre erhöhen müsse. Telekom-Chef Timotheus Höttges betonte ebenfalls: „Wir haben immer gesagt, dass – unter geeigneten Bedingungen - ein Zusammenschluss von T-Mobile mit einem anderen Unternehmen Kunden zusätzliche Vorteile und allen Aktionären Wertsteigerungs-Perspektiven bieten kann. Diese Bedingungen waren hier nicht zu erreichen“.

Sprint-Chef Marcelo Claure ließ verkünden, obwohl sie die Vorteile einer Fusion erkennen würden, hätten sie beschlossen, das Geschäft lieber alleine weiterzuführen. Sprint habe eine gute Basis, etwa durch viele Frequenzbänder, die dem Unternehmen gehören und man wolle weiter stark investieren. Beide Unternehmen betonten, sie wollten weiter alleine die großen Marktführer AT & T und Verizon angreifen. Claure erklärte zudem, man könne sich Partnerschaften mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen vorstellen.

Die Fusion von Sprint und T-Mobile US ist offenbar daran gescheitert, dass es deutliche Unterschiede bei der Bewertung der Unternehmen gegeben hat. Für die Telekom war es nach Informationen des Handelsblatts von vornherein klar, dass sie nach dem Zusammenschluss die Mehrheit am neuen Unternehmen hält. Zum einen kann T-Mobile US die stärkeren Erfolge vorweisen, als die Softbank-Tochter Sprint. So hat Legere in den vergangenen Jahren Millionen Kunden hinzugewonnen und Sprint vom dritten Platz im US-Markt verdrängt. Zum anderen ist es wichtig für die Telekom, die Oberhand über den US-Mobilfunker nicht zu verlieren, weil die Tochter inzwischen 48 Prozent zum Umsatz des Konzerns und 40 Prozent zu dessen bereinigten Gewinn (Ebitda) beisteuert. Würde die Telekom die Macht über T-Mobile US verlieren, dürfte sie deren Erfolge nicht mehr in ihren Büchern führen.


In den vergangenen Wochen hatte es Kritik aus dem Lager der Sprint-Aktionäre an dem Deal gegeben: Laut US-Medienberichten wollte die Telekom keinen Aufschlag auf den derzeitigen Aktienkurs zahlen. Dabei verfügt Sprint über viele wichtige Frequenzen, die sehr wertvoll sind. Aus Reihen der Telekom wurde jedoch wiederholt darauf verwiesen, dass Sprint sehr hoch verschuldet sei, viele Frequenzen noch nicht genutzt würden und dafür weitere Investitionen nötig seien. Sprint hat derzeit fast 29 Milliarden Euro Schulden.

Softbank-Chef Masayoshi Son sah sich offenbar trotzdem in einer besseren Verhandlungsposition der Telekom gegenüber. Laut verschiedener US-Medienberichten soll er bis zu 40 Prozent der Anteile des neuen Unternehmens gefordert haben. Nach derzeitiger Marktkapitalisierung hätte Son bei einem Aktientausch aber nur knapp 28 Prozent am neuen Unternehmen gehört. Die Telekom hält rund 64 Prozent an T-Mobile US. Softbank rund 83 Prozent an Sprint. Allerdings ist die Telekom-Tochter an der Börse mit rund 43,4 Milliarden Euro fast doppelt so viel Wert wie Sprint mit rund 22 Milliarden Euro. Das fusionierte Unternehmen wäre 65,4 Milliarden Euro wert - und der Telekom würde etwa 42 Prozent davon gehören und Sprint knapp 28. Der Rest wäre im Besitz der Minderheitsaktionären der beiden Unternehmen. Unklar ist allerdings auch, ob die dem Deal zugestimmt hätten.

Zum Wochenanfang verschreckte bereits ein Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ die Anleger mit der Nachricht, die Fusionsgespräche seien geplatzt, weil der Verwaltungsrat der Sprint-Mutter Softbank-nicht mit der angedachten Verteilung der Eigentumsverhältnisse zufrieden war. Sie wollten die Macht nicht abgeben. Diese Nachricht wurde schnell von anders lautenden Meldungen, es sei nur Kritik geäußert, aber keine Entscheidung getroffen worden, abgemildert. Trotzdem fiel die Aktie von Sprint um rund neun Prozent, die der Telekom um fünf Prozent.

Nach dem Schreck keimte am Donnerstag wieder Hoffnung auf: Nach Informationen des Handelsblatts hatte am Mittwoch der Verwaltungsrat von T-Mobile US beschlossen, Softbank ein verbessertes Angebot für eine Fusion zu unterbreiten. Laut Unternehmenskreisen ist Telekom-Chef Höttges persönlich nach Asien gereist. Doch offenbar reichten weder sein persönlicher Einsatz noch das verbesserte Angebot, um die Japaner umzustimmen.

KONTEXT

Die Deutsche Telekom in den USA

Der Einstieg in den US-Markt

Im Jahr 2000 kaufte die Deutsche Telekom mit Ron Sommer an der Spitze den US-Telekommunikationsanbieter Voicestream für rund 50 Milliarden Dollar - umgerechnet knapp 40 Milliarden Euro.

Kritik der Aktionäre

Dabei schrieb der Mobilfunker zu diesem Zeitpunkt Verluste. Doch die Bonner erhoffen sich, dass der Mobilfunkmarkt in den USA stark wachsen werde. Die Aktionäre teilten diese Hoffnung nicht, sie hielten den Preis für zu hoch. Der Wert der Aktie fiel um zwölf Prozent.

Schwierige Jahre

Die Sorgen der Aktionäre sollte sich als richtig erweisen: Die Deutsche Telekom korrigierte zwei Jahre später den Wert der neuen Tochter um fast 20 Milliarden Euro nach unten. Lange versuchte die Telekom, die Tochter loszuwerden.

Glück im Unglück

2011 wollte der größte amerikanische Wettbewerber AT & T die glücklose Tochter der Telekom für angeblich fast 40 Milliarden Euro übernehmen. Die Wettbewerbsbehörden klagten jedoch dagegen, woraufhin sich AT & T zurückzog. Der Konzern zahlte der Telekom daraufhin drei Milliarden Dollar Ausfallgebühr und überschrieb T-Mobile US einen Teil seiner Mobilfunkfrequenzen.

Mit neuer Kraft

Mit Hilfe der drei Milliarden Dollar Ausfallgebühr verbesserte die Telekom-Tochter unter anderem ihre Infrastruktur und übernahm 2012 den Mobilfunkanbieter mit MetroPCS. 2013 ging das Unternehmen an die Börse. Weil sich die Tochter nun alleine an frisches Geld kommt, kann sich die Telekom aus der Finanzierung teilweise zurückziehen. Dafür lässt sie ihren Anteil verwässern.

Neuer Chef, neue Strategie

Nach der missglückten Übernahme wurde fast die gesamte Führungsspitze von T-Mobile US ausgetauscht. Neuer Chef wird John Legere, ein bis dahin mehrheitlich unbekannter CEO aus der Telekommunikationsindustrie. Er entwickelt mit seinem neuen Führungsteam die "Un-Carrier"-Strategie: Er will alles das anders machen, was die Kunden an ihrem Telekommunikationsanbieter (Carrier) stört. Der Plan zieht.

Erfolg macht sexy

2014 wurde bekannt, dass die Telekom offenbar bereit sei ihre Anteile an den japanischen Konzern Softbank zu verkaufen. Der ist mit seiner Tochter Sprint der nächste Wettbewerber von T-Mobile US. Berichten wollte der Konzern 24 Milliarden Dollar dafür zahlen. Wenige Monate später wurde das Vorhaben eingestellt, weil die Unternehmen davon ausgingen, dass sie keine Genehmigung für den Zusammenschluss

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Unter Führung von John Legere wandelte sich das Unternehmen, wächst stark und ist mit mehr als 70 Millionen Kunden die Nummer 3 im Markt. Damit hat es den Wettbewerber Sprint überholt. Das Unternehmen ist profitabel und steigert bisher kontinuierlich Umsatz und Marge. T-Mobile US ist der einzige Bereich innerhalb der Telekom, der stark wächst.

Neuer Versuch

Schon länger verhandeln Softbank und Telekom wieder über einen Zusammenschluss. Nur sollen nach Informationen des Handelsblatts die Bonner danach die Mehrheit halten. Beide Konzerne wollten die Gespräche bisher nicht bestätigen, erklärten aber, eine Fusion könnte Synergien von mehr als 30 Milliarden Dollar schaffen. Allerdings müssen sie auch die Kartellbehörden von dem Zusammenschluss überzeugen

Macht Erfolg einsam?

Das Argument von Wettbewerbsbehörden gegen die Konsolidierung des Marktes ist Verbraucherschutz: Je mehr Unternehmen miteinander konkurrieren, desto eher werden sie versuchen sich mit Innovationen voneinander abzugrenzen oder die Preise senken. Gerade weil sich T-Mobile US als Innovationsführer und Preisbrecher aufstellt, sorgen sich die Behörden, weil es den Interessen der Kunden schaden könnte