Türkisches Gericht ordnet Freilassung von "Cumhuriyet"-Kolumnist Gürsel an

Im Prozess gegen Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" hat ein türkisches Gericht die Freilassung des Journalisten Kadri Gürsel angeordnet. Der Richter erklärte, dass Gürsel nach elf Monaten Haft auf freien Fuß komme, der Vorwurf der Verbindungen zu terroristischen Gruppen aber bestehen bleibe

Im Prozess gegen Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" hat ein Gericht in Istanbul die Freilassung des renommierten Journalisten Kadri Gürsel angeordnet. Der Richter erklärte, dass Gürsel nach elf Monaten Haft auf freien Fuß komme, der Vorwurf der Verbindungen zu terroristischen Gruppen aber bestehen bleibe, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP am Montagabend. Vier andere Journalisten müssen in Haft bleiben. Der Prozess wurde auf den 31. Oktober vertagt.

Der Kolumnist Gürsel zählt zu den anerkanntesten Journalisten seines Landes. Seine Freilassung aus dem Silivri-Gefängnis am Stadtrand von Istanbul wurde noch in der Nacht zum Dienstag erwartet. Inhaftiert bleiben hingegen der "Cumhuriyet"-Herausgeber Akin Atalay, Chefredakteur Murat Sabuncu, der Reporter Ahmet Sik und der Buchhalter Emre Iper. Atalay und Sabuncu sitzen - wie Gürsel - seit 330 Tagen in Haft.

Den insgesamt 17 angeklagten Journalisten und Mitarbeitern von "Cumhuriyet" wird die Unterstützung der Gülen-Bewegung sowie der ebenfalls verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworfen. Die Zeitung sieht in dem Prozess einen Versuch der Regierung, eines der letzten unabhängigen Blätter des Landes zum Schweigen zu bringen.

Die "Cumhuriyet"-Mitarbeiter weisen die Vorwürfe der Anklage zurück und betonen, dass die Zeitung die Gülen-Bewegung und die kurdischen Separatisten immer kritisiert habe. Ein Zeuge der Verteidigung wies am Montag die Vorwürfe gegen die Angeklagten zurück. "Diese Kollegen können keine Terroristen sein", sagte Alev Coskun von der "Cumhuriyet"-Stiftung. Er halte es für ausgeschlossen, dass die angeklagten Journalisten zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen gehörten.

Laut der Plattform für Pressefreiheit P24 sind derzeit 170 Journalisten in der Türkei hinter Gittern, darunter der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel.