Türkischer Philanthrop Osman Kavala in U-Haft

Der bekannte türkische Geschäftsmann und Philanthrop Osman Kavala ist unter dem Verdacht in Untersuchungshaft genommen worden, in den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verwickelt gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft wirft Kavala laut Berichten staatlicher Medien vom Mittwoch einen "Versuch zum Sturz der Regierung" und einen "Versuch zur Beseitigung der verfassungsmäßigen Ordnung" vor.

Dem Vorsitzenden der Kulturorganisation Anadolu Kültür wird zudem eine Beteiligung an den Korruptionsermittlungen gegen Politiker und Geschäftsleute aus dem Umfeld von Präsident Recep Tayyip Erdogan vorgeworfen. Die Regierung sieht in den Ermittlungen den Versuch der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, Erdogan zu stürzen. Auch für den Putschversuch macht sie die Bewegung verantwortlich.

Kavalas Organisation setzt sich seit Jahren für die Förderung der Kunst und den kulturellen Austausch ein, um die Spannungen zwischen den Volksgruppen in der Türkei zu verringern. Auch engagiert sich der wohlhabende Geschäftsmann mit Anadolu Kültür für den Dialog mit Armenien, zu dem die Türkei wegen des Streits um die Bewertung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich keine Beziehungen unterhält.

Die Festnahme Kavalas vor zwei Wochen wurde international mit Besorgnis aufgenommen. Sie erfolgte im Zuge von Ermittlungen, bei denen auch ein Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul verhaftet wurde. Dessen Verhaftung am 25. September hat die Beziehungen Ankaras und Washingtons in eine Krise gestürzt und dazu geführt, dass beide Länder bis auf weiteres ihre Visa-Dienste eingestellt haben.