Türkischer Journalist Gürsel aus Gefängnis entlassen

Bei seiner Freilassung wurde Kadri Gürsel vor dem Gefängnis von Silivri von Angehörigen und Kollegen empfangen, darunter seine Frau Nazire. Vier Mitangeklagte bleiben aber weiter in Haft

Auf Anordnung eines Istanbuler Gerichts ist der prominente Journalist Kadri Gürsel nach elf Monaten in Haft freigelassen worden. Der Kolumnist wurde in der Nacht zu Dienstag bei der Entlassung aus dem Gefängnis von Silivri von Angehörigen und Kollegen empfangen. Gürsel, der für die Zeitung "Cumhuriyet" schreibt, kritisierte das anhaltende Vorgehen der Justiz gegen seine Kollegen. Er selbst wolle weiter schreiben, kündigte er an.

"Es gibt nichts zu feiern, da die Journalisten von Cumhuriyet ungerechten und unbegründeten Vorwürfen ausgesetzt bleiben", sagte Gürsel nach seiner Freilassung. "Ihnen wird die Freiheit verweigert." Ein Richter hatte am Montag Gürsels Freilassung angeordnet, zugleich aber betont, dass der Vorwurf gegen ihn wegen Verbindungen zu terroristischen Gruppen bestehen bleibe.

Gürsels Frau Nazire sagte mit Blick auf die vier weiterhin inhaftierten "Cumhuriyet"-Mitarbeiter, von einem rechtsstaatlichen Vorgehen könne keine Rede sein. "Viele vergleichen diesen Prozess mit einem Theaterstück, doch das ist eine Beleidigung für das Theater", sagte sie.

In dem Verfahren sind insgesamt 17 Journalisten und Mitarbeiter der regierungskrititischen Zeitung angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, die verbotene Gülen-Bewegung und die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt zu haben. Nachdem ein Istanbuler Gericht beim Prozessauftakt Ende Juli sieben seit Oktober inhaftierte Angeklagte freigelassen hatte, ordneten die Richter am Montag auch die Freilassung Gürsels an.

Der "Cumhuriyet"-Herausgeber Akin Atalay, Chefredakteur Murat Sabuncu, der Enthüllungsjournalist Ahmet Sik und der Finanzverantwortliche Yusuf Emre Iper bleiben weiter in Haft. Die nächste Anhörung ist am 31. Oktober.

Die Angeklagten werfen der Staatsanwaltschaft vor, stichhaltige Beweise schuldig zu bleiben, und mit dem Prozess eine der letzten unabhängigen Zeitungen zum Schweigen bringen zu wollen.