Türkischer Geschäftsmann Ipek in Großbritannien festgenommen

Wegen eines Auslieferungsgesuchs der Türkei haben die britischen Behörden den bekannten türkischen Geschäftsmann Akin Ipek festgenommen. Eine Sprecherin des britischen Innenministeriums bestätigte am Samstag die Festnahme des einstigen Milliardärs, dem Ankara Verbindungen zur verbotenen Gülen-Bewegung vorwirft. Laut türkischen Medien wurde er bereits im Mai festgenommen und anschließend auf Kaution freigelassen.

Die Sprecherin des Innenministeriums in London erklärte, im September werde vor einem Gericht in London über das türkische Auslieferungsgesuch zu Ipek verhandelt. Sie könne nicht bestätigen, ob er auf Kaution freigelassen worden sei. Die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete jedoch, Ipek sei nach seiner Festnahme am 23. Mai gegen eine Kaution von 50.000 Pfund wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Demnach musste Ipek, der einst zu den reichsten Männern der Türkei gehörte, seinen Pass abgeben. Auch dürfe er das Land nicht verlassen und müsse rund um die Uhr erreichbar sein. Laut Anadolu droht Ipek in der Türkei wegen Vorwürfen des Versuchs zum Sturz der Regierung und der Verletzung der Verfassung lebenslange Haft. Zudem werde ihm die Bildung einer Terrorgruppe, Spionage und Geldwäsche vorgeworfen.

Die türkische Justiz bezichtigt Ipek, zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören, die Ankara für den Putschversuch von Juli 2016 verantwortlich macht. Seine Firmenholding Koza Ipek soll zu den wichtigsten Finanziers der Gülen-Bewegung gehört haben, doch wurde die gesamte Unternehmensgruppe samt der dazu gehörigen Medien im Herbst 2015 vom Staat übernommen.

Zur Mediengruppe Ipeks gehörten die Zeitung "Bugün" und der gleichnamige Fernsehsender. Begonnen hatte Ipek mit der Produktion von Grußkarten, doch zu Reichtum gelangte er mit Gold- und Silberminen. Der Geschäftsmann bestreitet, die Gülen-Bewegung unterstützt zu haben oder zum Wirtschaftsimperium der islamischen Bruderschaft zu gehören. Seit der Übernahme seiner Holding lebt er im Exil in London.

Der türkische Präsident Recep Tayyip, der bis zu einem Zerwürfnis 2013 mit Gülen eng verbunden war, geht seit dem Putschversuch 2016 mit aller Härte gegen Gülens Bewegung vor. Die Türkei dringt dabei auch im Ausland auf die Festnahme mutmaßlicher Gülen-Anhänger. In den vergangenen Monaten holte der türkische Geheimdienst bei umstrittenen Einsätzen mehrere mutmaßliche Gülenisten aus dem Ausland.