Türkische Schriftstellerin Asli Erdogan darf wieder ausreisen

Asli Erdogan vor einer Gerichtsverhandlung in Istanbul

Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan darf das Land wieder verlassen und will nun rasch nach Deutschland reisen, um eine ihr dort verliehene Auszeichnung entgegenzunehmen. Die Autorin habe am Donnerstag ihren Pass zurückerhalten und könne nun ausreisen, sagte ihr Anwalt Erdal Dogan der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stadt Osnabrück begrüßten den Schritt.

Die 50-Jährige war Ende Dezember unter Auflagen freigelassen worden, nachdem sie vier Monate in Haft verbracht hatte. Ihr wird wegen ihrer Arbeit für die im Oktober geschlossene prokurdische Zeitung "Özgür Gündem" "Terrorpropaganda" vorgeworfen. Im Juni wurde zwar eine Ausreisesperre gegen sie aufgehoben, doch erhielt sie ihren Pass vorerst nicht zurück, weil ihr Name weiter auf einer Liste von "Terrorverdächtigen" stand.

Sie müsse nun noch ein Visum erhalten, um nach Europa reisen zu können, sagte ihr Anwalt Dogan. Der Schriftstellerin waren in Europa zuletzt mehrere Literaturpreise verliehen worden, darunter der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, der alle zwei Jahre von der Stadt Osnabrück vergeben wird. Erhält Erdogan rechtzeitig ein Visum, kann sie an der Preisverleihung am 22. September teilnehmen.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels begrüßte es, dass Erdogan ihren Reisepass zurückerhalten hat. "Das ist ein Lichtblick für die türkische Autorin, die seit über einem Jahr bar jeder Rechtsstaatlichkeit drangsaliert und mundtot gemacht wird", erklärte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, der am 22. September die Preisrede auf Asli Erdogan halten wird.

Der Börsenverein hatte erst am Donnerstag zusammen mit der Stadt Osnabrück in einem Brief den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, der Autorin die Ausreise zur Preisverleihung zu ermöglichen. Die Stadt Osnabrück und die Jury des Remarque-Friedenspreises zeigten sich am Freitag "hocherfreut", dass Asli Erdogan nun an der Preisverleihung teilnehmen könne.

Obwohl sie nun ihren Pass zurück hat, geht das Verfahren gegen sie weiter. Die nächste Anhörung findet am 31. Oktober statt. Ihr droht lebenslange Haft. Ihre Inhaftierung hatte auch international für Protest gesorgt und wurde als Beispiel für die Einschränkung der Meinungsfreiheit unter Präsident Erdogan gewertet, der seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 mit großer Härte gegen seine Gegner vorgeht.

Den Remarque-Friedenspreis erhält Asli Erdogan laut der Jury vor allem für ihre Berichte über die Auswirkungen der Politik auf den Alltag der Menschen in der Türkei. Sie sind unter anderem in der Essaysammlung "Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch" erschienen. Zudem wurden mehrere ihrer Romane wie "Die Stadt mit der roten Pelerine" ins Deutsche übersetzt.