Türkische Nationalistin Aksener will nach Wahlniederlage Parteivorsitz aufgeben

Aksener kündigt Rückzug an

Die türkische Nationalistin Meral Aksener hat nach ihrer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl ihren Rückzug vom Vorsitz ihrer IYI-Partei angekündigt. Aksener sagte am Sonntagabend, sie werde bei einem Sonderparteitag im August nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren. "Ich werde bei dem Parteitag keine Kandidatin sein. Ich wünschen den Freunden Erfolg, die kandieren", schrieb die 62-Jährige im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Die frühere Innenministerin hatte vergangenes Jahr die ultrarechte Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) von Devlet Bahceli im Streit verlassen, nachdem Bahceli sich mit Präsident Recep Tayyip Erdogan verbündet hatte. Im Oktober gründete sie mit anderen MHP-Dissidenten die IYI-Partei. Aksener wurden anfangs ernsthafte Chancen gegen Erdogan eingeräumt, doch enttäuschte sie bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen am 24. Juni.

Während ihre Partei es bei der Parlamentswahl immerhin schaffte, knapp zehn Prozent zu bekommen, erhielt Aksener bei der Präsidentschaftswahl nur 7,3 Prozent. Im Wahlkampf waren Aksener und ihre Partei von den Medien weitgehend ignoriert worden. Nach der Wahl brach in der Partei eine Debatte über Akseners Verantwortung für das enttäuschende Ergebnis aus, was bei einem Treffen am Wochenende zu starken Spannungen führte.

Bei dem Treffen in Afyonkarahisar entschied die Partei, einen Sonderparteitag im August abzuhalten. Nachdem Aksener den Verzicht auf eine erneute Kandidatur angekündigt hatte, verkündeten führende Parteimitglieder, sie trotzdem zu nominieren. "Wir werden unsere Anführerin bis zum Schluss unterstützen", sagte Generalsekretär Aytun Ciray am Montag im Sender Fox News an der Seite des einflussreichen Vize-Vorsitzenden Koray Aydin.

Das Wahlergebnis hat auch in der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) zu einer heftigen Debatte über die Führung geführt. Eine Gruppe von Dissidenten sammelt derzeit Unterschriften für einen Sonderparteitag, um den bisherigen Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu zu stürzen. Die Dissidenten wollen stattdessen Präsidentschaftskandidat Muharrem Ince als Vorsitzenden, der einen energischen Wahlkampf geführt hatte.