Türkische Lira fällt auf neues Rekordtief zum Dollar

Die türkische Lira ist am Donnerstag auf ein Rekordtief zum US-Dollar gefallen. Am Vormittag war eine Lira noch 0,2374 US-Dollar wert und somit gut 0,8 Prozent weniger als am Vortag. Für die türkische Währung ist das ein neues Rekordtief.

Nicht nur der Dollar, auch der Euro zeigt Stärke gegenüber der Lira. Ein Euro ist knapp mehr als fünf türkische Lira wert – etwas unterhalb des Rekordwerts für das Währungspaar.

Insgesamt hat die türkische Währung allein in den vergangenen Tagen über drei Prozent zur US-Währung verloren. Seit Jahresbeginn büßte sie 9,3 Prozent ein, zeigen Reuters-Daten.


Der Grund für die jüngste Lira-Schwäche sind die am Donnerstag veröffentlichten Inflationszahlen für die Türkei. Diese stieg im April um rund 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat und lag damit über den Erwartungen von Analysten, die mit 1,6 Prozent gerechnet hatten. Im Jahresvergleich fiel die Inflation mit einem Plus von 10,85 Prozent deutlich höher aus, zeigen Daten des türkischen Instituts für Statistik. Das deutet darauf hin, dass das Jahresinflationsziel der türkischen Zentralbank deutlich verfehlt würde.

Kleidung und Nahrung deutlich teurer

Dabei sieht es so aus, als würden die die türkischen Verbraucher die Preiserhöhungen ziemlich deutlich zu spüren bekommen: So war die größte Teuerung im Vergleich zum Vormonat bei Kleidung und Schuhen (+10,4 Prozent) sowie bei den Transportkosten (+3,54 Prozent) zu verzeichnen.

Im Jahresvergleich wurden auch deutliche Preissteigerungen bei essenziellen Gütern deutlich. So stiegen die Preise für Lebensmittel im Vergleich zum April des vergangenen Jahres um 8,8 Prozent – wenngleich im Vergleich zum Vormonat der Preis dafür um 0,21 Prozent zurückging.

Die nun veröffentlichten Inflationen bestätigen die Sorge vieler Analysten und Beobachter, dass die Teuerungsrate des Landes außer Kontrolle gerät. So stufte am Dienstag die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnote des Landes überraschend von BB/B auf BB-/B gesenkt – aus Sorge vor Inflation.


Die S & P-Experten beobachten bei der Türkei „starke ökonomische Ungleichgewichte“ und bewerten das Land schlechter. Auch mache es der Lira-Verfall der Türkei schwerer, Schulden zurückzuzahlen.

Erdogans Präsidialsystem weckt Sorgen

Aber auch die politische Situation im Land macht sich auf den Finanzmärkten bemerkbar. So kritisierte S & P unter anderem das angestrebte Präsidialsystem des Landes, welche Erdogan weitreichende Befugnisse einräumt. Auch bereitet der Druck, den die Politik auf die Zentralbank des Landes ausübt, den Beratern Sorgen.

Ende April hatten die Währungshüter den Leitzins von 12,75 auf 13,5 Prozent angehoben. Dafür hatten sie zwar die Zustimmung der Investoren bekommen – mussten jedoch auch Kritik von Staatschef Erdogan einstecken. Dieser hofft, durch niedrige Zinsen Auslandsinvestoren in die Türkei zu locken und so die Wirtschaft zu stärken.