Türkische Justiz stellt Haftbefehl gegen mehr als 300 Soldaten aus

Die türkische Justiz hat im Zusammenhang mit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 mehr als 300 weitere Haftbefehle gegen Soldaten ausgestellt

Die türkische Justiz hat im Zusammenhang mit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 mehr als 300 weitere Haftbefehle gegen Soldaten ausgestellt. Unter den 333 Gesuchten seien 216 aktive Soldaten, berichteten türkische Medien am Mittwoch. Sie würden verdächtigt, zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören, der von Ankara für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, über Jahre den türkischen Staat unterwandert zu haben. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu sind unter den Gesuchten auch 27 "geheime Imame" der Gülen-Bewegung im Militär.

Als Imam werden Anführer der Bruderschaft bezeichnet, die in der Türkei als Terrororganisation verboten ist. Den Berichten zufolge erfolgten am Mittwoch Razzien in 49 Städten, um die Gesuchten festzunehmen.

Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei mehr als 50.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger festgenommen und mehr als 140.000 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert. Ein Großteil der Inhaftierten wartet noch immer auf ein Verfahren.

Kritiker werfen Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, den Putschversuch als Vorwand zu benutzen, um auch gegen kritische Journalisten, Oppositionelle und Menschenrechtler vorzugehen.