Türkische Armee festigt Kontrolle über nordsyrische Stadt Afrin

Pro-türkische syrische Kämpfer plünden in Afrin

Die türkische Armee hat ihre Kontrolle über die nordsyrische Stadt Afrin einen Tag nach deren Eroberung weiter gefestigt, während verbündete syrische Kämpfer ihre Plünderungen in der Stadt fortsetzten. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte derweil eine Ausweitung der Offensive auf von Kurden kontrollierte Gebiete in Syrien an. "Wir haben ein Komma gesetzt. So Gott will kommt als nächstes ein Punkt", sagte er am Montag in Ankara.

Die türkische Armee und verbündete Kämpfer der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) hatten die Stadt Afrin am Sonntagmorgen unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem sich die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kampflos zurückgezogen hatten. Es ist für die Türkei der größte Erfolg seit Beginn der Afrin-Offensive im Januar.

Am Montag sprühten die protürkischen Kämpfer die Namen ihrer Gruppen auf Geschäfte und Häuser. Die meisten kämpften gegen Machthaber Baschar al-Assad, bevor sie sich der türkischen Offensive anschlossen. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, plünderten sie wie schon am Vortag Wohnhäuser und Läden.

Nach der Einnahme der Stadt waren Autos, Laster und Traktoren zu sehen, die Nahrungsmittel, Elektrogeräte, Decken, Schafe und Motorräder abtransportierten. Der frühere Vorsitzende der Syrischen Nationalen Koalition (SNC), Chaled Chodscha, verurteilte die Plünderungen in Afrin. Für "Banditen und Wegelagerer" könne es unter den Rebellen keinen Platz geben.

Die US-Regierung warnte die Türkei am Montag, sie sei "zutiefst beunruhigt" wegen der Berichte über Plünderungen. "Wir haben türkischen Vertretern gegenüber wiederholt unsere ernsten Bedenken wegen der Situation in Afrin deutlich gemacht", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert.

Das syrische Außenministerium in Damaskus verurteilte die "türkische Besetzung von Afrin" und forderte einen "sofortigen Rückzug".

Die Türkei hatte die Offensive am 20. Januar gestartet, um die YPG aus Afrin zu vertreiben. Ankara sieht die Präsenz der YPG an der Grenze als Bedrohung, da die Gruppe eng mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist. Nachdem die Offensive lange nur langsam vorangekommen war, kreisten die türkischen Kräfte vor einer Woche die Stadt Afrin ein.

Aus Afrin flohen laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte rund 250.000 Zivilisten, bevor sich der Belagerungsring schloss. Am Wochenende zogen sich auch die YPG-Kämpfer kampflos zurück. Für die kurdische Miliz ist der Verlust von Afrin ein schwerer Schlag, während die Türkei damit ihr Einflussgebiet erheblich ausweiten kann.

Erdogan erklärte, die türkische Offensive könne nun bis nach Kamischli ausgeweitet werden, eine von der YPG kontrollierte Stadt an der syrisch-irakischen Grenze. Weitere Ziele seien Manbidsch, wo US-Truppen stationiert sind, und Kobane.

Der türkische Präsident drohte zudem mit dem Angriff auf Lager der PKK in der irakischen Sindschar-Region. Sollte Bagdad sich nicht um die Stützpunkte kümmern, "könnten wir in Sindschar auftauchen und die PKK dort erledigen", sagte er.

Nach Zählung der Beobachtungsstelle wurden bei der Offensive mehr als 1500 YPG-Kämpfer sowie 400 protürkische Rebellen getötet. Die türkische Armee verlor ihrerseits 46 Soldaten. Laut der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, die ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort bezieht, gab es zudem 280 Tote unter den Zivilisten.

Die Türkei bestreitet diese Angaben und betont, alles zum Schutz der Zivilisten getan zu haben. Für Medien sind die Angaben der Beobachtungsstelle kaum zu überprüfen.

Die syrische Armee setzte unterdessen ihre Angriffe auf die Rebellenenklave Ost-Ghuta am Rande der syrischen Hauptstadt Damaskus fort. Mindestens 20 Zivilisten starben nach Angaben der Beobachtungsstelle seit Wiederaufnahme des Beschusses am Sonntag in der Stadt Duma. Während einer einwöchigen Kampfpause waren zuvor Kranke und Verletzte aus Ost-Ghuta evakuiert worden, rund 70.000 Menschen flüchteten laut Beobachtungsstelle.