Türkische Akademiker beenden Hungerstreik nach zehn Monaten

Gülmen und Ozakca vor ihrer Festnahme in Ankara

Nach zehn Monaten haben zwei türkische Akademiker ihren Hungerstreik beendet, mit dem sie gegen ihre Entlassung aus dem Staatsdienst protestierten. "Wir beenden unseren Hungerstreik an seinem 324. Tag. Aber unser Kampf geht weiter", sagte die Literaturdozentin Nuriye Gülmen in einem am Freitag verbreiteten Video, in dem sie sichtbar abgemagert neben dem Lehrer Semih Ozakca erscheint.

Gülmen und Ozakca hatten den Hungerstreik am 9. März 2017 aus Protest gegen ihre Entlassung begonnen. Sie waren unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der verbotenen linksextremen Gruppierung DHKP-C per Dekret entlassen worden. Nachdem sie über Monate auf einem Platz im Zentrum Ankaras protestiert hatten, wurden sie im Mai festgenommen, führten jedoch auch in Haft ihren Hungerstreik fort.

Der 28-jährige Ozakca und die 35 Jahre alte Gülmen nahmen nach eigenen Angaben nur gesalzenes und gezuckertes Wasser, Kräutertee und Vitamin B1 zu sich. Nach Aussage von Gülmen werden sie nun im Krankenhaus behandelt werden, anschließend aber ihren "Kampf" fortsetzen. Durch ihren Hungerstreik sind die beiden Akademiker zu Symbolfiguren des Protests gegen die Massenentlassungen geworden.

Ozakca war im Oktober vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation freigesprochen worden. Gülmen wurde im Dezember in erster Instanz zu sechs Jahren Haft verurteilt, befindet sich aber für die Dauer des Berufungsprozesses auf freiem Fuß.

Unter dem Ausnahmezustand, der nach dem gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 verhängt worden war, wurden mehr als 140.000 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert. Den meisten wird Mitgliedschaft in der verbotenen Gülen-Bewegung vorgeworfen, die für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird, doch sind auch zahlreiche linke und kurdische Journalisten, Wissenschaftler und Oppositionelle darunter.