Türkei und Saudi-Arabien verabreden 'neue Zeit der Zusammenarbeit'

ISTANBUL (dpa-AFX) - Die Türkei und Saudi-Arabien wollen mehr als drei Jahre nach dem Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi eine "neue Zeit der Zusammenarbeit" beginnen. Bei Gesprächen zwischen Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hätten beide Länder eine Kooperation unter anderem auf politischer, wirtschaftlicher, militärischer und sicherheitspolitischer Ebene betont, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung am späten Mittwochabend.

Es war der erste Besuch des Kronprinzen in der Türkei, seit der regierungskritische Khashoggi in Istanbul im Konsulat Saudi-Arabiens 2018 getötet wurde. Die Ermordung des Kolumnisten der "Washington Post" hatte die Beziehungen beider Länder belastet. Ankara und Riad bemühen sich um eine vollständige Normalisierung.

US-Geheimdienste sehen den 36-jährigen Kronprinzen als Drahtzieher des Khashoggi-Mordes. Das saudische Königshaus weist die Behauptung zurück. Auch die türkische Regierung hatte Anschuldigungen gegen Saudi-Arabien erhoben und den Mord im eigenen Land verhandelt - das Gerichtsverfahren zur Empörung vieler dann im April aber an Saudi-Arabien abgegeben.

Beide Seiten wollten zudem daran arbeiten, Investitionen in Bereichen wie Energie, Tourismus und Verteidigung zu fördern und den gegenseitigen Handel zu erleichtern, hieß es in der Erklärung weiter. Erdogan war im April erstmals seit dem Mord nach Saudi-Arabien gereist und hatte erklärt, die Beziehungen intensivieren zu wollen. Beobachter sehen hinter der Annäherung vor allem wirtschaftliche Interessen. Die Türkei steckt in einer Währungskrise mit mehr als 70 Prozent Inflation.

Kronprinz Mohammed war wegen des Kashoggi-Mords international teilweise isoliert. Inzwischen gibt es auch mit anderen Ländern wieder eine Annäherung. Im Juli wird etwa US-Präsident Joe Biden im Königreich erwartet. Offizielles Staatsoberhaupt von Saudi-Arabien ist eigentlich König Salman. Mit 86 Jahren ist dieser aber zunehmend altersschwach und hat viele Befugnisse an seinen Sohn Mohammed übergeben.

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