Türkei legt Beschwerde gegen Protestaktion vor Kanzleramt ein

Protestaktion vor dem Kanzleramt in Berlin

Die Türkei hat sich bei der Bundesregierung über eine Protestaktion gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan und andere Staatsführer in Berlin beschwert. Die türkische Botschaft in Berlin bezeichnete es am Dienstag in einer Protestnote an das Auswärtige Amt als "inakzeptabel" und "unverständlich", dass eine derartige "Gewalt verherrlichende Aktion" mit Duldung der Behörden vor dem Kanzleramt stattfinde, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Das sogenannte Zentrum für Politische Schönheit, ein Künstlerkollektiv, hatte am Montag vor dem Kanzleramt einen Mercedes und ein Banner mit der Aufschrift aufgestellt: "Willst du dieses Auto? Töte die Diktatur!" Daneben waren die Köpfe von Erdogan, Russlands Präsident Wladimir Putin und dem saudiarabischen König Salman abgebildet.

Die Aktion war Teil des fiktiven Wettbewerbs "Scholl 2017". Die umstrittene Aktionskunstgruppe hatte im Juni aufgerufen, ein Flugblatt gegen eine Diktatur zu entwerfen. In dem fiktiven Schülerwettbewerb, der angeblich von der bayerischen Landesregierung organisiert wird, fordert das Künstlerkollektiv um Philipp Ruch Schüler des Freistaats auf, ein Flugblatt gegen eine Diktatur ihrer Wahl zu schreiben und dort zu verteilen.

Genannt werden als die "schlimmsten Diktaturen" China, Eritrea, Nordkorea, Russland, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, die Türkei, Tschetschenien und Usbekistan. Mit dem angeblichen Wettbewerb will die Aktionskunstgruppe an die Geschwister Scholl erinnern, die 1943 an der Universität München Flugblätter gegen die Nationalsozialisten verteilten und dafür hingerichtet wurden.

Die Aktion vor dem Kanzleramt erfolgte wenige Tage vor dem G20-Gipfel in Hamburg, zu dem unter anderen Erdogan und Putin erwartet werden. Der fiktive Wettbewerb und die Flugblattaktion des Zentrums für Politische Schönheit stießen in der deutschen Presse auf gemischte Reaktionen.