Türkei hat elektronische Visavergabe für Amerikaner gestoppt

dpa-AFX

ISTANBUL (dpa-AFX) - Die Türkei hat im Visastreit mit den USA die Ausstellung elektronischer Visa für Amerikaner gestoppt. Auf der E-Visa-Internetseite der Türkei wurden Antragsteller mit einem US-Reisepass am Montag zu einer Seite weitergeleitet, auf der es hieß: "Leider kann für die Staatsbürger des von Ihnen ausgewählten Landes kein E-Visum ausgestellt werden. Bitte wenden Sie sich für einen Visa-Antrag an die nächste türkische Auslandsvertretung." Die türkische Botschaft in Washington teilte allerdings mit, dass alle Visadienste für US-Staatsbürger ausgesetzt worden seien.

Die Türkei hatte am Sonntagabend die Visavergabe an US-Bürger auf Eis gelegt. Sie reagierte damit auf eine entsprechende Ankündigung der US-Botschaft, die Visa-Ausstellung für türkische Staatsbürger auszusetzen. Hintergrund ist die Inhaftierung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul. Ihm werden Verbindungen zur Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Regierung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Die Visasperre erschwert es Geschäftsreisenden und Touristen erheblich, in das jeweils andere Land zu reisen. Im vergangenen Jahr reisten nach offiziellen türkischen Angaben 313 654 Türken in die USA. Umgekehrt kamen 2016 nach Statistiken der Regierung in Ankara 459 453 Amerikaner in die Türkei. Der gegenseitige Stopp der Visavergabe belastet die ohnehin angespannten Beziehungen der beiden Nato-Staaten schwer. Die USA fordern - wie Deutschland - die Freilassung inhaftierter Staatsbürger in der Türkei.