Türkei erbost über US-Vorwurf der Unterstützung von Islamisten in Syrien

Der US-Gesandte Brett McGurk

Die Türkei hat erbost auf Vorwürfe der USA reagiert, sie habe Al-Kaida-nahe Rebellengruppen in der nordsyrischen Provinz Idlib unterstützt. Der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin bezeichnete es am Dienstag als "inakzeptabel", die Türkei in Verbindung mit dieser "Terrororganisation" in Idlib zu bringen. Die Provinz werde nicht von der Türkei "kontrolliert". Die Äußerungen seien nicht "in guter Absicht" gemacht worden, kritisierte Kalin.

Der US-Gesandte für die Koalition gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Brett McGurk, hatte kritisiert, dass Idlib zum "größten Rückzugsgebiet von Al-Kaida" geworden sei. Einige US-Partner hätten "zehntausende Tonnen Waffen" nach Syrien geschickt und nichts gegen den Zustrom ausländischer Kämpfer unternommen, sagte McGurk vergangene Woche im Middle East Institute in Washington.

"Idlib ist nun ein riesiges Problem. Es ist ein Rückzugsgebiet für Al-Kaida direkt an der Grenze zur Türkei", kritisierte der Anti-IS-Koordinator und kündigte an, dazu Gespräche mit der Türkei zu führen. Idlib ist die einzige Provinz Syriens, die vollständig unter Kontrolle von überwiegend islamistischen Rebellen ist. Allerdings liefern sich islamistische Rebellen- und Dschihadistengruppen dort immer wieder Kämpfe um Ressourcen und Gebiete.

So vertrieb das dschihadistische Rebellenbündnis Hajat Tahrir al-Scham (HTS) im Juli andere protürkische Rebellengruppen um Ahrar al-Scham aus der Stadt Idlib. Das Rückgrat des HTS-Bündnisses ist die Fateh-al-Scham-Front, die aus dem syrischen Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front hervorgegangen ist. Die Rebellengruppe Ahrar al-Scham wird von der Türkei und den Golfstaaten unterstützt und hatte zeitweise mit Tahrir al-Scham zusammengearbeitet.

Der Türkei war in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen worden, gewaltbereite Islamisten in Syrien zu unterstützen. Die Regierung in Ankara hat dies stets zurückgewiesen. Sie wirft ihrerseits den USA vor, kurdische Einheiten in Syrien zu unterstützen, die sie wegen ihrer Nähe zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als "Terrorgruppen" betrachtet.