Tödliche Chemikalie in Flasche von Slobodan Praljak nachgewiesen

In der Flasche des bosnisch-kroatischen Ex-Militärkommandeurs Slobodan Praljak ist eine tödliche Chemikalie nachgewiesen worden. Das sagte der Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft, Frans Zonneveld, am Donnerstag in Den Haag der Nachrichtenagentur AFP. Laut Zonneveld steht "sehr bald" eine Autopsie des Leichnams von Praljak an. Praljak hatte am Mittwoch vor dem Haager UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien ein braunes Fläschchen ausgetrunken und war kurze Zeit später im Krankenhaus gestorben.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch erklärt, zunächst wegen Beihilfe zum Suizid und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz zu ermitteln.

Gerätselt wird derzeit, wie es dem zu 20 Jahren Haft Verurteilten gelingen konnte, das Fläschchen mit dem mutmaßlichen Gift trotz der strengen Sicherheitsauflagen in das Gericht zu schmuggeln. Auch ist unklar, wie Praljak womöglich in dem Haager UN-Haftzentrum die fragliche Flüssigkeit erhalten konnte.

Praljak war in dem Berufungsverfahren am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) unter anderem für schuldig befunden worden, im November 1993 die Zerstörung der alten Brücke von Mostar aus osmanischer Zeit angeordnet zu haben. Das Gericht bestätigte die 20-jährige Haftstrafe gegen den 72-Jährigen.