BVB-Attentäter: "Wollte niemanden töten"

Sergej W. gesteht den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund

Sergej W. hat am Montag am zweiten Prozesstag gestanden, den Splitterbombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt zu haben.

Der 28-Jährige weist jedoch jede Tötungsabsicht von sich. "Ich bedauere mein Verhalten zutiefst", so der Täter am Montag vor dem Dortmunder Schwurgericht. Er habe die Bomben "extra so konzipiert, dass keine Personenschäden zu erwarten waren."

Bombe mit tödlicher Wirkung

Nach Angaben des Anwalts von W. wollte sein Mandant lediglich ein Drohszenario schaffen. Der BVB sollte gegen AS Monaco aus der Champions League ausscheiden, mit Börsenspekulationen wollte W. einen satten Gewinn einstreichen. 

"Ich wollte einen Anschlag machen, damit der BVB aus der Champions League ausscheidet. Ich wollte aber niemanden verletzen, schwer verletzen oder töten. Ich entschuldige mich dafür", so W. in seiner Erklärung.

Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes betonte nach Angaben der Bild hingegen in seiner Aussage, dass die 65 durch die drei Splitterbomben verschossenen Metallbolzen tödliche Wirkung gehabt hätten. 

Zwei Verletzte bei Anschlag

Die Staatsanwaltschaft wirft W. versuchten Mord in 28 Fällen, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der spanische BVB-Innenverteidiger Marc Bartra hatte einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen erlitten, ein begleitender Polizist ein Knalltrauma.

Der Dortmunder Mannschaftsbus hatte das Hotel l'Arrivee am 11. April 2017 gerade Richtung Stadion für das Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco verlassen, als um 19.16 Uhr in einer Hecke drei Sprengsätze detonierten.

Bolzen in Bartras Kopfstütze

In der Anklage heißt es: "Die fernzündbaren Sprengsätze sollen jeweils mit (...) einer Wasserstoffperoxid-Brennstoff-Mischung sowie mindestens 65 in Epoxidharz eingeschlossenen Metallbolzen mit einem Durchmesser von 6 mm und einer Länge von 74 mm (...) bestückt gewesen sein." Einer der Bolzen schlug in Bartras Kopfstütze ein.

Das Motiv soll Habgier gewesen sein. Mutmaßlich wollte Sergej W. mit kreditfinanzierten Put-Optionen nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen. Laut Staatsanwaltschaft hätte er rund eine halbe Million Euro Gewinn erzielen können.

Im Saal 130 des Landgerichts Dortmund sind 18 Prozesstage angesetzt, dem Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe. Mehrere BVB-Spieler haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen, der Verein lässt sich durch seine Anwälte vertreten.