"SZ": Berlin weist im Fall Skripal vier russische Diplomaten aus

Der Giftanschlag auf Sergei Skripal belastet der Verhältnis Russlands zu den EU-Staaten schwer (AFP Photo/Adrian DENNIS)

Wegen des Giftanschlags auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal auf britischem Boden will Deutschland laut einem Medienbericht vier russische Diplomaten ausweisen. Die Betroffenen hätten einen nachrichtendienstlichen Hintergrund, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Montag. Die Entscheidung solle am frühen Nachmittag bekannt gemacht werden.

Ein ähnlicher Schritt werde in Berlin von Frankreich und anderen westlichen Staaten aus der EU erwartet. Möglicherweise werde die Entscheidung zeitgleich offiziell bekannt gemacht. Der Schritt wird dem Bericht zufolge einerseits mit der Solidarität zu Großbritannien begründet, andererseits mit der fehlenden Kooperation Russlands bei der Aufklärung über Chemiewaffeneinsätze.

Der Fall Skripal löste eine schwere Krise in den Beziehungen zwischen London und Moskau aus. Nachdem Großbritannien die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet hatte, reagierte Russland mit einem entsprechenden Schritt.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Die beiden befinden sich weiter im Koma im Krankenhaus, ihr Zustand wird von den Ärzten als ernst, aber stabil bezeichnet.

Die britische Regierung macht Russland für den Giftanschlag verantwortlich und geht davon aus, dass dabei ein Gift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Russland weist dies von sich und bestreitet auch die Herstellung von Nowitschok.