Syrische Rebellen kündigen zivilen Rat für Deir Essor an

Regierungssoldaten am Rande der Stadt Deir Essor

Mit gemäßigten syrischen Rebellen verbündete Stammesvertreter haben für die erhoffte Rückeroberung der Provinzhauptstadt Deir Essor von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Einrichtung eines zivilen Rates angekündigt. Schon vor einem Sieg über den IS werde jetzt der Grundstein für einen Rat zur künftigen Verwaltung der Provinzhauptstadt gelegt, teilten Stammesvertreter am Montag in einer Erklärung mit, die vom Pressebüro der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) verbreitet wurde.

Ein Vorbereitungskomitee solle mit den Menschen vor Ort die Grundlagen des zivilen Rates besprechen, hieß es. Bei den Konsultationen gehe es darum, "das Streben unseres gesamten Volkes in Deir Essor" zu berücksichtigen. Der Rat solle die Regierungsgeschäfte "sofort" nach der Rückeroberung von Deir Essor übernehmen, ließ die von den USA unterstützte kurdisch-arabische SDF-Allianz verlauten.

Aus der Erklärung ging allerdings nicht hervor, ob der geplante Rat in Zusammenarbeit mit den syrischen Regierungstruppen eingesetzt werden soll, die wie die SDF-Kämpfer gegen den IS in Deir Essor kämpfen. Der IS kontrolliert seit 2014 große Gebiete der ostsyrischen Provinz Deir Essor sowie bis heute rund 60 Prozent der gleichnamigen Provinzhauptstadt. In der Stadt gibt es zwei Enklaven, die von der syrischen Armee kontrolliert werden.

Die mit Russland verbündeten Regierungstruppen bereiten derzeit eine Offensive in den östlichen Stadtvierteln von Deir Essor vor. Seit Sonntagnacht sei Verstärkung für den Militäreinsatz eingetroffen, erklärte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Die SDF-Allianz führt eine eigene Offensive gegen die Dschihadisten, mit der sie dem IS bereits große Gebiete östlich des Euphrats abnahm.

Die Provinzhauptstadt selbst haben die SDF-Kämpfer jedoch noch nicht erreicht. Laut Beobachtungsstelle sind sie noch sechs Kilometer vom östlichen Euphrat-Ufer der Stadt entfernt. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Die russische Armee kündigte am Montag an, mehr als 40 Minenräumexperten sowie Minenspürhunde und Spezialausrüstung nach Deir Essor zu schicken. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu rief die UNO und die internationale Gemeinschaft am Montag in einem Brief an den UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, zu mehr Nothilfe für die syrische Bevölkerung auf.

Schoigu forderte überdies eine aktive Beteiligung am Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur in Syrien. "Die Bedingungen wurden geschaffen, dass das Leben und der Frieden zurückkehren kann", schrieb der russische Minister mit Blick auf die militärischen Erfolge gegen den IS in Deir Essor.