Syrische Luftangriffe bringen Tod und Zerstörung über Ost-Ghuta

Auch am Mittwoch wurden bei Luftangriffen der syrischen Regierungstruppen in Ost-Ghuta 24 Zivilisten getötet. Machthaber Baschar al-Assad scheint entschlossen, die Rebellenenklave an den Toren der Hauptstadt zurückzuerobern

Alle internationalen Aufrufe zur Einstellung der Kämpfe in Ost-Ghuta verhallen: Vier Tage Dauerbeschuss durch die syrischen Regierungstruppen haben Tod und Zerstörung über die Region vor den Toren der syrischen Hauptstadt Damaskus gebracht. Auch am Mittwoch wurden laut Aktivisten erneut fast 40 Zivilisten in der Rebellenenklave getötet. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte einen "sofortigen" Stopp der Kampfhandlungen; die Bundesregierung verlangte, "das Massaker in Ost-Ghuta unverzüglich zu beenden".

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad scheint entschlossen, die Rebellenhochburg Ost-Ghuta zurückzuerobern. Staatsmedien haben eine großangelegte Bodenoffensive für die nahe Zukunft angekündigt. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in den vergangenen drei Tagen etwa 310 Zivilisten getötet, darunter 72 Kinder. Mehr als 1500 Menschen wurden verletzt.

Auch am Mittwoch seien fast 40 Zivilisten bei Luftangriffen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden, teilte die oppositionsnahe Organisation mit, die ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort bezieht. Für Medien sind die Angaben der Beobachtungsstelle kaum zu überprüfen. Bei den Angriffen werden nach ihren Informationen auch Fassbomben eingesetzt, die großflächige Zerstörungen verursachen.

Zahlreiche Wohnhäuser wurden durch die Angriffe in Trümmer gelegt, auch mehrere Krankenhäuser wurden so schwer beschädigt, dass sie den Betrieb einstellen mussten. Die Region am Ostrand von Damaskus steht seit 2013 unter Belagerung. Die humanitäre Situation ist katastrophal, viele der rund 400.000 Einwohner leiden Hunger, es gibt kaum Medikamente. In den weiter funktionierenden Kliniken fehlt es an Betten, viele Verletzte müssen am Boden behandelt werden, die Ärzte operieren rund um die Uhr.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) verlangte Zugang zu der Rebellenenklave. "Verletzte sterben, nur weil sie nicht rechtzeitig behandelt werden", sagte die Leiterin der IKRK-Delegation in Syrien, Marianne Gasser. Die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer kündigte an, sich aus Ost-Ghuta in sicherere Landesteile zurückzuziehen.

Guterres forderte im UN-Sicherheitsrat die Einstellung aller "Kriegshandlungen", um humanitäre Hilfe zu ermöglichen. "Vor unseren Augen spielt sich eine menschliche Tragödie ab", sagte er.

Die Bundesregierung warf Assad einen "Feldzug gegen die eigene Bevölkerung" vor und beschuldigte ihn, "sich jedem politischen Lösungsversuch" zu verweigern. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Deutschland fordere "das Assad-Regime auf, das Massaker in Ost-Ghuta unverzüglich zu beenden und sowohl humanitäre Versorgung als auch medizinische Evakuierung zuzulassen".

Auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron forderte eine Waffenruhe. "Unter dem Vorwand des Kampfs gegen dschihadistische Terroristen hat sich das Regime entschlossen, zusammen mit einigen seiner Verbündeten die Zivilbevölkerung und offenbar einige seiner Gegner anzugreifen", sagte Macron.

Der Kreml dementierte Berichte, dass auch russische Kampfflugzeuge an den Angriffen beteiligt seien. Präsidentensprecher Dmitri Peskow sprach von "grundlosen Vorwürfen". Russland unterstützt seit 2015 Assad gegen die Rebellen. Mit dem Iran und der Türkei hat Moskau eine regionale Waffenruhe für Ost-Ghuta ausgehandelt, doch wurde diese nie eingehalten.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU) warf Russland in der "Bild"-Zeitung (Donnerstagsausgabe) angesichts der "gegenwärtigen grausamen Verbrechen in Ost-Ghuta" vor, wegen seiner Unterstützung für die Assad-Führung auch an Ost-Ghuta eine Mitschuld zu tragen.

Assad ist entschlossen, das gesamte Staatsgebiet wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Am Dienstag entsandte er Truppen in das nordsyrische Afrin, um die bedrängten kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) gegen die Türkei zu unterstützen. Es ist das erste Mal seit 2012, dass regierungstreue Truppen in der Region sind, die seit Jahren über weitgehende Autonomie verfügt.

Die Türkei greift seit einem Monat in Afrin die YPG an, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung sieht. Präsidentensprecher Ibrahim Kalin warnte am Mittwoch, dass die Türkei alle Unterstützer der YPG als "legitimes Ziel" betrachten werde. Wer die YPG unterstütze, werde genauso wie die "Terrororganisation" behandelt.