Erdogan droht mit Ausweitung von Militäroffensive gegen bis an irakische Grenze

Der türkische Staatschef Erdogan hat mit einer Ausweitung des Militäreinsatzes in der nordsyrischen Region Afrin bis zur irakischen Grenze gedroht. Die Türkei werde "bis zur irakischen Grenze keinen Terroristen übrig lassen"

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat mit einer Ausweitung des Militäreinsatzes in der nordsyrischen Region Afrin bis zur irakischen Grenze gedroht. Die Türkei werde auch die Stadt Manbidsch "säubern" und "bis zur irakischen Grenze keinen Terroristen übrig lassen", sagte Erdogan am Freitag in einer Rede in Ankara. Die syrischen Kurden in Afrin baten derweil Syriens Staatschef Baschar al-Assad um Beistand.

Die türkische Armee werde kämpfen, bis "wir unsere Ziele erreichen", sagte Erdogan in seiner Ansprache. An der türkischen Grenze zum Irak solle "kein Terrorist" übrig bleiben.

Die türkische Armee hatte am Samstag mit syrischen Flüchtlingen ihren Einsatz "Olivenzweig" gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) begonnen. Die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) und die YPG als ihr militärischer Arm kontollieren seit 2012 mit stillschweigender Duldung Assads die Region Afrin.

Die Türkei empfindet die Präsenz der YPG-Kämpfer an ihrer Grenze als Bedrohung, da die Gruppe enge Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft.

Die YPG ist aber auch ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Da auch die US-Armee in Manbidsch mit Spezialkräften präsent ist, besteht die Sorge, dass es zwischen den eigentlich verbündeten USA und Türkei zu Zusammenstößen kommen könnte.

Der Ko-Vorsitzende des Exekutivrats von Afrin, Othman al-Scheich Issa, forderte von Assad Unterstützung. Die syrische Regierung sei in der Pflicht, Afrin zu verteidigen, denn die Region sei ein "untrennbarer Teil Syriens", sagte er am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP. Sie müsse "klarmachen, dass sie keine türkischen Flugzeuge im syrischen Luftraum duldet".

Syriens Präsident Assad hatte am Sonntag die türkischen Angriffe auf Afrin verurteilt, schritt bisher aber ebensowenig militärisch ein wie sein Verbündeter Russland. Dir türkische Armee setzte am Freitag ihre Angriffe fort, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Nach nicht unabhängig zu überprüfenden Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben seit Samstag 110 Kämpfer auf beiden Seiten. Zudem seien 38 Zivilisten getötet worden, zumeist durch türkische Bombardements. Die türkischen Raketen hätten unter anderem auch Stromgeneratoren und Bäckereien zerstört, sagte ein geflüchteter Einwohner der Region Afrin AFP.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die USA seien im Gespräch mit der Türkei über eine Pufferzone an der syrisch-türkischen Grenze. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte am Donnerstag bestätigt, dass ihm sein US-Kollege Rex Tillerson eine zehn Kilometer tiefe Pufferzone angeboten habe.

Cavusoglu sagte aber, um "ernsthaft" darüber diskutieren zu können, müsse "das Vertrauen wiederhergestellt werden". Die Türkei wirft den USA vor, frühere Zusagen nicht eingehalten zu haben, wonach sie die YPG nicht weiter mit Waffen versorgen und auch nicht zulassen würden, dass YPG-Kämpfer westlich des Euphrat in Manbidsch bleiben.

Die USA stecken in der schwierigen Situation, dass sie die Sicherheitsbedenken ihres Nato-Partners nicht ignorieren können, aber die YPG weiter für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) brauchen.

Der türkische Europaminister Ömer Celik rief die EU-Staaten in Brüssel auf, die Türkei in Afrin zu unterstützen, wo sie ihre "legitimen Sicherheitsinteressen" verteidige. Die EU-Kommission äußerte sich besorgt über die Offensive und mahnte zur Mäßigung. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief die Türkei zu einem "maßvollen" Vorgehen auf.

Vor der türkischen Botschaft in Berlin fand am Freitagnachmittag unter dem Motto "AfrinNotAlone" (Afrin nicht allein) eine Solidaritätskundgebung statt. Mehrere hundert Teilnehmer machten lautstark mit Pfiffen und Sprechchören ihrem Ärger über den türkischen Militäreinsatz Luft.