Syrische Regierungstruppen setzen Beschuss von Ost-Ghuta unvermindert fort

Der UN-Sicherheitsrat prüft einen Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer 30-tägigen Feuerpause in Syrien. Damit sollten humanitäre Hilfen ermöglicht werden, heißt es in dem Text, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag. 

Der Beschuss der syrischen Rebellenhochburg Ost-Ghuta durch die Regierungstruppen geht mit unverminderter Härte weiter. Am Mittwoch seien bei Luftangriffen in den östlichen Vororten von Damaskus 34 Zivilisten getötet worden, darunter zwölf Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Der UN-Sicherheitsrat will sich am Donnerstag mit der Lage in dem Bürgerkriegsland befassen.

Obwohl Ost-Ghuta zu den sogenannten Deeskalationszonen in Syrien zählt, waren die Angriffe auf das Gebiet in den vergangenen Tagen verstärkt worden. Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle war der Dienstag mit 80 Toten einer der blutigsten Tage der vergangenen Jahre in Ost-Ghuta. Unter den Toten waren demnach auch 19 Kinder und 20 Frauen, rund 200 Menschen seien den zudem verletzt worden.

Eine Überprüfung der Angaben ist für Medien kaum möglich, doch berichtete ein AFP-Reporter von mit Verletzten überfüllten Krankenhäusern in der Stadt Duma. In Hammurije sah er die Leichname von fünf Kindern, die nach Angaben des älteren Bruders eines der Opfer kurz zuvor Wasser holen gegangen waren. Über die Lautsprecher der Moscheen wurden die Einwohner aufgerufen, die Straßen für Krankenwagen frei zu machen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete derweil unter Berufung auf Polizeikreise, in einer mutmaßlichen Vergeltungsaktion seien aus einem von der Regierung kontrollierten Vorort der Hauptstadt Raketen durch Rebellen abgefeuert worden. Ein Kind sei getötet worden, zudem habe es zwei Verletzte gegeben.

Die Armee hatte zuletzt den Druck auf Ost-Ghuta verstärkt, wo rund 400.000 Menschen seit Jahren unter Belagerung leben. Eigentlich gilt in Ost-Ghuta eine regionale Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen, doch besteht die von Russland, dem Iran und der Türkei vermittelte sogenannte Deeskalationszone nur noch auf dem Papier.

Zuletzt mehrten sich auch die Hinweise, dass die Armee Chlorgas einsetzt. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen kündigte am Mittwoch an, Ermittlungen dazu aufzunehmen. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte im französischen Fernsehen, alles deute darauf hin, dass die syrische Regierung Chlorgas einsetze.

Am Donnerstag will sich der UN-Sicherheitsrat nach Angaben von Diplomaten mit der Lage in Syrien befassen. Dabei solle über einen Vorstoß für eine einmonatige humanitäre Waffenruhe beraten werden.

Die syrische Armee erklärte derweil, einen israelischen Luftangriff auf einen Stützpunkt in Dschamraja nahe Damaskus zumindest teilweise abgewehrt zu haben. In Dschamraja befindet sich auch ein Forschungszentrum, das verdächtigt wird, eine führende Rolle bei der Produktion von Chemiewaffen zu spielen.

Israel ist seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 dutzende Luftangriffe gegen syrische Truppen und ihre Verbündeten geflogen. Das Land will damit nach eigenen Angaben Waffenlieferungen an die mit Damaskus verbündete radikalislamische Hisbollah-Miliz unterbinden.