Syrien versucht ehemalige ISIS-Mitglieder zu deradikalisieren

Vergangene Woche erklärte die Syrische Armee den Sieg im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. (Bild: AP Photo)

Ein syrisches Behandlungszentrum setzt im nachhaltigen Kampf gegen die IS-Ideologie auf Deradikalisierung.

Auch wenn der Islamische Staat laut Angaben des syrischen Militärs besiegt ist: Der ultraradikale Islamismus bleibt – im syrischen Kriegsgebiet wie weltweit – auch ohne zentral verortbare Miliz eine Gefahr. Um dem entgegenzuwirken, wurde in Syrien nun eine Art Reha-Zentrum für Terroristen errichtet, das zur Deradikalisierung beitragen soll.

Wie der US-amerikanische Sender „Fox News“ berichtet, eröffnete am 28. Oktober das „Syrian Center for Anti-Extremist Ideology“. Dort sollen von der Terrororganisation Islamischer Staat radikalisierte Personen rehabilitiert werden.

Rund 100 Personen nehmen an dem Programm teil. Darunter befinden sich ehemalige IS-Kämpfer und Sympathisanten der Terrororganisation. „Jeder hat einen Schwachpunkt in seinem Denken, an dem wir an einer bestimmten Stelle ansetzen und in seine Ideen eindringen können, um extremistische und terroristische Gedanken auszumerzen”, so der Direktor des Zentrums, Hussein Nasser, gegenüber „Fox News“.


Teil des Programms sind Lehrstunden und Seminare über den Islam sowie psychologische und intellektuelle Entwicklung. Auch Medien und Unterhaltung stehen auf der Tagesordnung. Mit speziellen Lehrkräften soll eruiert werden, welche Behandlungsmethode bei jeder einzelnen Person am besten funktioniert.

Inhaftierte Islamisten, die nach einiger Zeit wieder aus der Haft ohne vorherige psychologische Betreuung und Evaluierung wieder in die Gesellschaft entlassen werden, stellen eine akute Gefahr dar. Sie könnten, so Nasser, „weiterhin Hass verbreiten“, es gelte „eine Lösung für diese Menschen zu finden“.

Das Personal des Zentrums, so „Fox News“, arbeite ohne Bezahlung. Zudem hätte es auch keine legale Berechtigung, Leute offiziell „rehabilitiert“ zu entlassen. Trotz alledem will das Zentrum detaillierte Evaluierungen der einzelnen Personen an die zuständigen Gerichte zukommen lassen.

Wie nützlich derartige Deradikalisierungsmaßnahmen tatsächlich sind, bleibt umstritten. Eine Studie zeigte, dass ähnliche Programme in Saudi-Arabien nur mäßigen Erfolg verbuchen konnten und es zu Selbstmord-Attentaten der früheren Programmteilnehmer kam.