Syrien-Flüchtling will in den Bundestag

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Der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtete Tarek Alaows tritt für Bündnis90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen als Kandidat bei der Bundestagswahl an.
Der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtete Tarek Alaows tritt für Bündnis90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen als Kandidat bei der Bundestagswahl an.

In Syrien kämpfte er für Menschenrechte, bis er seine Heimat verlassen muste. Jetzt will Tareq Alaows dasselbe Thema im Bundestag nach vorne bringen. Ein Syrien-Flüchtling als Abgeordneter - eine Premiere und die Chance auf einen neuen Blick.

Oberhausen/Berlin (dpa) - Deutsch hat er sich nach seiner Flucht aus Syrien im Selbststudium auf dem Handy beigebracht - nun spricht er nach fünf Jahren nahezu perfekt.

Jetzt will Tareq Alaows (31) als erster Geflüchteter aus Syrien für die Grünen in den Bundestag - als Abgeordneter für Oberhausen und Dinslaken im Ruhrgebiet und Stimme von Hunderttausenden, die nach oft unvorstellbaren Fluchtgeschichten in Deutschland leben.

Am Dienstag hat der 31-Jährige in einem Video auf Twitter seine Kandidatur für das Parlament für Oberhausen und Dinslaken im Ruhrgebiet angekündigt und damit bundesweit ein starkes Echo hervorgerufen.

Er will für Menschenrechte kämpfen und sieht nicht ein, dass manche Flüchtlinge in Deutschland auch nach Jahren noch in Lager-Unterkünften wohnen, wie er am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Migration solle nicht als Problem gesehen werden - sie existiere seit Jahrtausenden, appelliert Alaows. Flüchtlinge bräuchten hier mehr gesellschaftlichen Anteil und bessere Lebensverhältnisse. Diesen Blick will er ins Parlament einbringen.

In einem Interview des Redaktionsnetzwerkes Deutschland hatte er gefordert, die Inschrift «Dem Deutschen Volke» am Reichstagsgebäude in «Für alle Menschen, die in Deutschland leben» zu ändern. Nach heftiger Kritik bei Twitter rudert er nun zurück: «Es geht nicht um die Inschrift, es geht um die Taten.» Jedenfalls will Alaows eine andere Politik - im In- wie im Ausland.

Der Grünen-Politiker stammt aus Damaskus und hat in seiner Heimat bis zum letzten Semester Jura studiert, einen Abschluss hat er noch nicht. Als Mitarbeiter des Roten Halbmondes habe er in Kriegsgebieten humanitäre Nothilfe geleistet und Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Dann habe er sich durch seine Arbeit und die Teilnahme an Demonstrationen zunehmend unbeliebt gemacht, erzählt er. Den Ausschlag für seine Flucht habe eine Einberufung zum Wehrdienst gegeben.

Der heute 31-jährige kam vor fünf Jahren in Deutschland an und wurde zunächst in einer Turnhalle in Bochum untergebracht. «Seitdem kämpfe ich dafür, die Lebensbedingungen geflüchteter Menschen zu verbessern», sagt er in dem Video. Schon wenige Monate nach seiner Ankunft sei er erneut politisch aktiv geworden und habe die selbstorganisierte Gruppe «Refugee Strike Bochum» mitbegründet. 2018 organisierte er demnach die ersten Seebrücken-Demos mit. Aktuell besitzt Alaows eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland, er hoffe aber bald auf die deutsche Staatsangehörigkeit.

Bei einem am 10. und 11. April geplanten Parteitag der NRW-Grünen in Dortmund will er sich daneben für einen Platz auf der Bundestagsliste der NRW-Grünen bewerben. «Jemanden der selbst geflüchtet ist, den haben wir so noch nicht im Bundestag», sagt der Leiter der Grünen-Geschäftsstelle in Oberhausen, Peter Kremer-Plew. «Deswegen kann uns keiner besser vertreten.»

Alaows Bewerbungsvideo wurde auf Twitter von zahlreichen Grünen-Politikern positiv kommentiert. Er habe gute Chancen auf einen aussichtsreichen Listenplatz, hieß es aus Parteikreisen.