Sylt im Winter: Fünf gute Gründe, um jetzt Urlaub auf der Nordsee-Insel zu machen

Strandkörbe an der Westküste von Sylt. - Copyright: picture alliance / Jens Hogenkamp | Jens Hogenkamp
Strandkörbe an der Westküste von Sylt. - Copyright: picture alliance / Jens Hogenkamp | Jens Hogenkamp

Wenn sich der Schnee wie Puderzucker über die Landschaft und die reetgedeckten Häuser legt, verwandelt sich Sylt in ein idyllisches Wintermärchen. In der kalten Jahreszeit hat man die Insel fast für sich allein und genießt in der freien Natur intensive Ruhe und Abgeschiedenheit. Und es gibt noch mehr Anlass, gerade jetzt auf die Insel zu reisen, wie die nachfolgenden fünf Gründe:

1. Der Mond glimmt rot

Keitum, an einem Abend. Das Wasser ist abgelaufen und das Watt liegt still in der frühen Nacht. Zu hören sind das leise Schnattern der Gänse und obskure Vogelrufe im Nachthimmel über dem weichenden Meer. Es riecht kalt und köstlich nach der See, nach Holzrauch aus den Kaminen.

Über dem Watt steht klar und prachtvoll der Sternenhimmel. Dann schiebt sich ein fetter Mond über die ferne Festlandsküste, er glimmt rot. Das ist magisch und märchenhaft. Tiefe, zerzauste Wolken verpassen dem nächtlichen Horizont ein spukhaftes Gepräge.

Fasziniert steht der einsame Wanderer vor diesem Schauspiel; es ist überirdisch schön. Der Lichthof des Mondes wird im Watt verworfen wie von einem zersprungenen Spiegel. Je höher der Mond steigt, desto heller wird das Rot; erst Mandarin, dann helles Kupfer, bald steht er wie eine seltsame silbrige Sonne am Nachthimmel.

2. Ein tiefer Frieden liegt über Sylt

Bis nach Ost-Asien und auf die West-Indies fuhren Sylter Kapitäne. Keitum war ihre Heimat, noch heute zeugen die alten Kapitänshäuser von dem Reichtum, den sie einst von See heimbrachten. Im Sylt Museum sind neben Gemälden von Schiffen und Kommandanten auch allerhand exotische Sachen aus fernen Ländern zu sehen; ein chinesischer Kompass oder Münzen beispielsweise.

Hier und ebenso im Altfriesischen Haus nebenan, einem Heimatmuseum, ist es eine Besichtigungstour in die Vergangenheit – man läuft über knarrende Dielen und unter alten, niedrigen und noch immer leicht nach Rauch riechenden Deckenbalken. Längst ist es dunkel und die Gassen von Keitum leer. Ein tiefer Frieden liegt über dem Ort. Und etwas Geheimnisvolles, wenn die im Wind wippenden Bäume bizarre Schatten auf die Häuser werfen.

Auch die nahe Kirche St. Severin erinnert an die Seefahrt: mit von abertausenden Händen blank poliertem Türgriff in Form eines Wals. Und mit einem Schiffsmodell, das im Vorraum der Kirche unter der Decke hängt. Wer genau hinsieht, erkennt daran die Flagge Schleswig-Holsteins – das aber gab es noch nicht, als dieses Schiff gebastelt und aufgehängt wurde.

Sylt war dänisch und das Modell fährt gen Kopenhagen. Und die Flagge Schleswig-Holsteins? Damals Symbol der Unabhängigkeitsbewegung. Was Folgen hatte; der Pastor, der einst so viel hintergründiges Revoluzzertum zuließ, soll auf eine abgelegene Hallig strafversetzt worden sein. Auf dem Friedhof von St. Severin stehen Grabsteine, die an Seefahrer erinnern.

3. Seehunde statt Urlauber dösen am Strand

Vom Ostindienfahrerhuk im Nordwesten von Sylt führt der Weg ostwärts auf den Ellenbogen. Schon im Sommer ist dies ein Ort der Ruhe, im Winter ist er völlig aus der Welt gefallen. Es sind Wege in die Einsamkeit an einem Strand ohne Spuren. Der Morgenhimmel in zartem Blau, die Nacht noch im Himmel. Wolkenberge über der See glimmen rötlich-rosa, letzte Sterne verlöschen. Und das Führlicht des Leuchtturms blinkt über das menschenleere Ende der Insel.

Ein junger Seehund robbt über den Strand bei Rantum. - Copyright: picture alliance / dpa | Christian Charisius
Ein junger Seehund robbt über den Strand bei Rantum. - Copyright: picture alliance / dpa | Christian Charisius

Die Brandung läuft zischend auf dem Sand aus. Strandhafer raschelt im Wind, winterliche Hochwasser haben ein wenig Treibgut bis an den Dünenrand geworfen – Bretter und Taue, Helme und Bojen. Verloren und vergessen zwischen den Halmen des Strandhafers, mit denen der Wind Kreismuster in den feuchten Sand geschrieben hat.

Resortanlage von außen.
Resortanlage von außen.

Licht flutet nun über den Strand. Verloren stehen zwei Pricken im Sand, eigentlich sind das Baumstämmchen zur Markierung von Fahrwasser in der See. Sechs, acht Meter hoch markieren sie hier aber etwas anderes – den nördlichsten Punkt Deutschlands, seine Koordinaten: 550 3‘ 30 Nord, 080 24‘ 55 Ost. Aber was ist mit der Strecke von hier zum Wasser? Nicht mehr Deutschland? Ein Ort des Übergangs; mal geht die See hoch bis an die Dünen, mal liegt sie still.

Kein Mensch, nirgends, nur überall Schafsköttel. Das scharfe Dünengras klatscht im Takt des Windes an die Beine. Langsam scheint sich leise das Rauschen des Meeres in das Dröhnen zu mischen. Es kann nicht mehr weit sein. Jetzt ist es kein Ort für Touristen, aber umso mehr für Seehunde am Strand. Am östlichen Ende des Ellenbogens liegen dutzende Tiere. Die Seehunde sind in der Mehrzahl, dazwischen liegen ein paar Kegelrobben.

Die Leute vom Naturschutz haben Seile gespannt und einen Bereich abgesperrt, damit die Tiere ungestört bleiben. Es könnte ja noch ein Spaziergänger vorbeischauen wollen. Das Seil wippt im Wind und ein Seehund – oder eine Robbe? – schaut kurz hoch, döst dann weiter. Und da! In den Wellen tauchen weitere vorwitzige Schnauzen auf ...

4. Im Winter rasten Vögel auf der Insel

In Rantum, auf dem Deich. Sylt ist auch das Winterziel gefiederter Gäste. Vögel aus dem hohen Norden nehmen hier ihr Quartier und wenn die Eisverhältnisse nicht allzu harsch sind, ziehen nicht alle heimischen Arten unbedingt fort. Ein besonders guter Ort zum Beobachten – und zum schönen Spazieren – ist der Deich um das Rantumbecken: einerseits geht man erhöht und hat einen guten Aussichtsposten, andererseits bietet sich ein Blick auf Watt und Wasser.

Gute Zeit zum Vogelkiek ist auflaufendes Wasser, beziehungsweise Hochwasser. Denn dann kommen die Vögel, die im Watt auf Nahrungssuche gehen, zurück an die Kante; hohe Dichte und große Vielfalt. Wunderschön ist das Einfliegen ganzer Schwärme in die Salz- und Marschwiesen, in der Weltverlorenheit auf dem kilometerlangen Deich sind die sehnsuchtsvollen Rufe der Gänse über dem Meer ein besonders eindrucksvolles Erlebnis.

Spaziergänger haben auf dem Deich schon Schneeammern entdeckt, das sind Gäste aus der Arktis. Mit dem Fernglas lässt sich mit Glück im Gebüsch oder im Tannenwäldchen an der Westseite des Beckens das Wintergoldhähnchen erspähen: ein winziger Vogel mit goldenem Schopf und einem hübschen clownesken Gesicht.

5. Rum und Tee wärmen Körper und Seele

Sag Rum, und die Leute denken an Norddeutschland. Und im kalten Winter muss sich kein Inselbewohner- oder besucher für ein wärmendes Gläschen zwischendurch rechtfertigen. Am kleinen Hafen in Rantum verkauft die Sylter Trading neben ihrem Trader-Whisky diverse, in Fässern gereifte Rumsorten. Aus Trinidad in der Karibik oder Panama stammt der Rum und von der Insel Mauritius im Indischen Ozean.

Diese Brände aus Zuckerrohr sind bereits fünf bis zehn Jahre gereift, wenn sie im eigenen Fasslager auf der Insel ein zweites Mal zur Ruhe gelegt werden. Auch in ehemaligen Portwein- oder Sherry-Fässern, das gibt dem Rum zusätzliche Aromen.

Wie entwickeln sich Duft und Geschmack des Rums in den verschiedenen Einzelfässern bis zur Abfüllung? Meinert Petersen und seine Partner werden probieren und sorgfältig nach den Fässern in dem luftigen Lagerhaus am Wattenmeer sehen. Den Rum-Variationen bekommt das besondere Klima an der Nordsee gut; die Brände nehmen die unterschiedlichen Aromen aus dem Holz auf, Kenner attestieren unter anderem Noten von Rosine, Pflaume, Vanille und Schokolade.

Blick von draußen auf die Sansibar-Hütte auf Sylt.
Blick von draußen auf die Sansibar-Hütte auf Sylt.

Sich nach einem Strandspaziergang mit einem Getränk aufwärmen – das kann man auch im Kontorhaus Keitum; das Aroma von Tee liegt in der Luft und leise Klaviermusik lullt die Gäste ein. Es ist ein Ort der gepflegten Entspannung.

Die Tee-Karte ist vielfältig und groß die Auswahl im Geschäft. Regelmäßig trifft sich das Personal zu Probierrunden, wählt aus, was perfekt ist und ins Portfolio passt. Von den bodenständigen Mischungen hin zu Raritäten exotischer Herkünfte wie dem japanischen Schattentee, einem Grüntee mit wenig Bitterstoffen und anregendem Geschmack.

Sie sind gerade erst auf Sylt angekommen? Dann wäre vielleicht eine Friesenmischung gut; sie ist kräftig, malzig und schmeichelt den Sinnen, wenn der Blick zwischen den Sahnewölkchen in der Tasse und dem Schneetreiben vor der Fensterscheibe hin und her geht.

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Welt“. Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Sylt Marketing. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.com/de/werte/downloads.

Dieser Artikel wurde erstmals im Februar 2022 veröffentlicht.