US-Außenminister Tillerson hält Sanktionen gegen Myanmar für "nicht ratsam"

In der Rohingya-Krise in Myanmar hat sich US-Außenminister Rex Tillerson vorerst gegen Strafmaßnahmen ausgesprochen. Derzeit halte er wirtschaftliche Sanktionen für nicht "ratsam"

Die USA wollen Myanmar wegen der Rohingya-Krise vorerst nicht mit Sanktionen unter Druck setzen. Bei einem Besuch in Myanmar bezeichnete US-Außenminister Rex Tillerson wirtschaftliche Strafmaßnahmen zum derzeitigen Zeitpunkt als "nicht ratsam". Allerdings sei seine Regierung "zutiefst besorgt über glaubwürdige Berichte von weitverbreiteten Gräueltaten", die myanmarische Sicherheitskräfte begangen haben sollen.

Tillerson äußerte sich in der Hauptstadt Naypyidaw bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Er drängte Myanmar dazu, eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe gegen die Streitkräfte zu akzeptieren. Nach solchen Ermittlungen könnten dann auch individuelle Strafmaßnahmen angebracht sein. US-Abgeordnete hatten sich zuvor für Sanktionen ausgesprochen.

Suu Kyi wies bei der Pressekonferenz den international erhobenen Vorwurf der Untätigkeit zurück: "Ich war nicht stumm", sagte sie. Sie verfolge lediglich das Ziel, keine weiteren Spannungen zu schüren.

"Die Menschen meinen, was ich sage, sei nicht interessant", sagte Suu Kyi. Was sie sage, sei aber auch "nicht dazu gedacht, interessant zu sein", sondern "korrekt". Sie wolle Menschen nicht gegeneinander aufhetzen. Die Friedensnobelpreisträgerin steht wegen ihrer Zurückhaltung in dem Konflikt international in der Kritik.

In Myanmar war Ende August ein lange schwelender Konflikt zwischen der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit und den muslimischen Rohingya eskaliert. Seither wurden hunderte Rohingya durch das Militär getötet, ihre Häuser wurden niedergebrannt und Frauen vergewaltigt. Mehr als 600.000 Rohingya flüchteten ins Nachbarland Bangladesch.

Die UNO stuft das Vorgehen der Armee gegen die Minderheit als "ethnische Säuberung" ein. Die Armee selbst hatte kurz vor Tillersons Besuch Ergebnisse einer internen Untersuchung veröffentlicht, wonach es keinerlei Beweise dafür gebe, dass Soldaten Zivilisten getötet oder Frauen vergewaltigt hätten.