Supersportwagen: Wie viel Bugatti gehört eigentlich Porsche und was haben Aktionäre davon?

Porsche 919
Porsche 919

Beim Fußball abgehängt, Exportweltmeisterschaft perdu und bei der Digitalisierung immer weit hinterher: Worauf kann man in Deutschland eigentlich noch stolz sein? Na, eine Sache, bei der viele im Ausland weiterhin neidisch auf Deutschland blicken, sind trotz aller zeitgenössischen Diskussionen noch immer die Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und die passenden PS-starken Autos stammen überwiegend aus deutschen Fahrzeugschmieden. Das fasziniert unverändert weltweit.

Nun ist Bugatti natürlich nicht wirklich eine deutsche Marke. Allerdings haben deutsche Eigentümer sie über viele Jahre hinweg geprägt, seit Ferdinand Piëch die Marke 1998 in den VW-Konzern einverleibte. Mit der Ausgliederung 2021 geriet die Marke unter kroatische Führung als Schwester der Rimac Automobili, die gerade den gewaltigen elektrischen Nevara ausliefert, während der kommende Bugatti Hypercar in den Startlöchern steckt und ein wahnsinniges Hybrid-Aggregat bekommen soll.

Das sind spannende Aussichten und VW bleibt weiterhin daran beteiligt. Aber wie groß sind die Anteile von Porsche (WKN: PAG911), Volkswagen (WKN: 766403) und der Porsche Holding (WKN: PAH003) genau und warum ist das relevant?

So groß ist Bugatti Rimac

Angeblich hat das VW-Management erwägt, die Marke Bugatti ganz einzustellen. Sie ist ohne röhrenden Verbrennungsmotor nur schwer vorstellbar und damit kaum mit der Elektrooffensive vereinbar. Volkswagen kann nur schwer glaubhaft für saubere Elektromobilität eintreten, solange der Konzern gleichzeitig für benzinhungrige Sportwagen wirbt. Die nächste Idee lautete, sich mit einem Hersteller von elektrifizierten Supersportwagen zusammenzutun, um Bugatti dort lediglich als Marke weiterzunutzen.

Auch daraus wurde nichts. Unter der Leitung von Großaktionär und E-Sportwagen-Pionier Mate Rimac soll Bugatti künftig vielmehr mit hybridisierten Verbrennern beeindrucken. Passende Technologie entwickelt das Schwesterunternehmen Rimac Technology.

Auch wenn die Rimac-Gruppe nur wenige Autos pro Jahr verkauft, erzielt sie dank der hohen Verkaufspreise trotzdem signifikante Umsätze. Schon allein die auf 150 Stück limitierten Rimac Nevara dürften 300 Mio. Euro in die Kassen spülen. Und damit die Gruppe weiter an Statur gewinnen kann, hat sie Mitte 2022 eine halbe Milliarde Euro bei seinen Investoren eingeworben. Damit wurde sie mit über 2 Mrd. Euro bewertet.

Und so, wie es ausschaut, wird Rimac seine Geldgeber nicht enttäuschen. Im November sprach er in einem Interview von sagenhaften Renditen. Die Zusammenführung der Stärken von Bugatti und Rimac und die gemeinsame Nutzung der Ressourcen würden sich voll auszahlen. Von daher ist anzunehmen, dass der Unternehmenswert zwischenzeitlich weiter gestiegen ist.

Und während manch einer vielleicht vermuten würde, dass Rimac und Bugatti sich bei Porsche-Komponenten bedienen würden, ist es wohl genau andersherum: Porsche nutzt das Hypercar-Know-how von Rimac für seine eigenen Top-Modelle. Von daher haben wir es hier mit einer Perle im Beteiligungsportfolio von Porsche zu tun, die auch langfristig kursrelevant sein könnte.

Porsches Anteile an Bugatti und der Rimac Group

Wenn Porsche nur ein kleiner Minderheitsaktionär wäre, dann hätte all das kaum Einfluss auf die Ergebnisse. Aber bei genauerem Hinsehen sind die Anteile noch immer erstaunlich groß. Die 20 %, die die Porsche AG an der Rimac Group hält, erscheinen zunächst gering. Dazu muss man aber wissen, dass noch 45 % an der Tochter Bugatti Rimac hinzukommen.

Summiert man die direkten und indirekten Anteile an den Hypercar-Herstellern, dann ergibt sich ein Wert von 56 %. Damit ist klar, dass Porsche über die beiden Minderheitsanteile großen Einfluss ausüben kann. Dass Mate Rimac sich bei der strategischen Positionierung von Bugatti durchgesetzt hat, belegt, dass man davon nicht immer Gebrauch macht. Wenn dabei eine gute Rendite herausspringt, kann das Porsche nur recht sein. Mehr als die Hälfte der Gewinne kommen den Stuttgartern auf die eine oder andere Weise zugute.

Porsche wiederum wird auch nach seinem Börsengang weiterhin von Volkswagen dominiert. Die Wolfsburger halten schließlich noch immer 75 % der Aktien, nachdem jeweils 25 % der Vorzugs- und Stammaktien an freie Aktionäre bzw. die Porsche Holding verkauft wurden. Der VW-Gruppe stehen folglich indirekt 42 % von Bugatti Rimac zu. Sie kann über Porsche auf die Entwicklung von Bugatti Rimac starken Einfluss nehmen. Damit sind wir aber noch nicht am Ende der Fahnenstange.

Denn ganz oben sitzt die Porsche Holding, die 53,3 % der Stammaktien ihr Eigen nennt und damit Volkswagen beherrscht und letztlich bis Bugatti Rimac durchgreifen kann – zumal sie zusätzlich noch bei der Porsche AG über eine Sperrminorität von 25 % verfügt. Unter Berücksichtigung der Vorzugsaktien beläuft sich der Kapitalanteil an VW und Porsche auf 31,9 % bzw. 12,5 %. Da wird es ganz schön unübersichtlich. Aber zusammengerechnet komme ich auf einen indirekten Anteil an Bugatti Rimac von gut 20 %.

Kleine Stückzahlen, die sich auf allen Ebenen auszahlen

Volkswagen hat sein Hypercar-Problem elegant ausgelagert. Das heißt aber nicht, dass man am Geschäft mit den heißesten Verbrennern nicht mehr mitverdienen würde. Hier geht es um Summen, die durchaus Beachtung verdienen. Wäre Bugatti Rimac ein Flop geworden, dann hätte Porsche einen dreistelligen Millionenbetrag in den Sand gesetzt. Läuft es hingegen langfristig weiterhin so großartig wie im Moment, dann winken künftig Überweisungen aus Kroatien im dreistelligen Millionenbereich.

Der Artikel Supersportwagen: Wie viel Bugatti gehört eigentlich Porsche und was haben Aktionäre davon? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2023