Das Super Retina Display Problemchen

Sascha Koesch


Es gibt gute Gründe diesen in den Screen oben hineinlappenden Kram im neuen iPhone X irgendwie albern zu finden. Das reicht von Webseiten, die in der Queransicht nun merkwürdige Balken bekommen können, weil das offizielle Layout auf beiden Seiten abgeschnitten wird, bis hin zu Videos, die eben ständig mit einem schwarzen Fleck leben müssen, wenn man wirklich das ganze "Super Retina Display" nutzen möchte. Auch der Name ist schon absurd, denn früher bedeutete Retina Display enfach eine besonders hohe Pixeldichte, mit 458ppi ist das iPhone X im Vergleich zu anderen Flagschiffen aber eher unter-ppi-t. Designer sind jedenfalls schon jetzt etwas verstört über diese eigenwillige Entscheidung.


Oder sie haben ihren Spaß damit, denn für alle, die sich jetzt schon mal dran gewöhnen wollen, wie YouTube Videos eigentlich auf dem absolut immersiven Super-OLED des iPhone X aussehen werden, gibt es jetzt schon eine Chrome-Extension, die das simuliert. YouTube Notch Mode nennt sie sich und macht jedes Video zu einem lappig futuristischen Genuss.



Und hinzu kommt ja auch noch, dass Videos selten (genau genommen nie) in einem Format vorliegen, das Apple mit seinem Screen hier vorlegt und so zusätzlich zur Beule auch bei jedem Video das man ganz sehen möchte, Extrabalken hinzukommen. Oben und unten, oder rechts und links. Manchmal wohl auch beides, weil bei 21:9 zum Beispiel, wo der Lappen auch noch auf beiden Seiten hinzugefügt wird (siehe Bild oben aus diesem Video).

Generell ist Apple natürlich nicht ganz alleine mit der Abkehr von einer Standard-Screengröße wie 16:9. Das betrifft ja beim S8 angefangen alle sogenannten Fullscreen Smartphones. Beim S8 sind es z.B. 18,5:9, beim iPhone X 19,488:9, sofern Apples Auflösungs-Angabe, 2436 x 1125, den "Notch" miteinbezieht. D.h. irgendwo muss immer irgendwas weggerechnet oder hochgerechnet werden. LG hat da mit 2:1 zumindest noch die Lösung, die wenigstens House Of Cards, eine der wenigen Serien, die in diesem Univisium-Format gedreht wurden, korrekt darstellt, ohne massenhaft Pixel an Screen-Bezel zu verschenken oder Randdetails einfach wegzuschneiden. Allerdings multipliziert sich beim iPhone X diese Problematik dank der Beule noch mal um einiges.

Bleibt der Zukunft eigentlich nur zu wünschen, dass die in dieser Hinsicht etwas flexibleren App-Entwickler diese Beule nicht auch für alle iPhones einführen, die keine haben. Ein kreativer Umgang mit der Beule ist allerdings von Apple ausdrücklich nicht erwünscht, d.h. lustige Ideen wie diese hier, werden uns wohl erspart bleiben.