Argentinische Marine: «Keine Spur des verschollenen U-Boots»

Das U-Boot «ARA San Juan» auf einem undatiertes Archivfoto in Bahia Blanca. Foto: Juan Sebastian Lobos/Armada Argentina/telam

Seit einer Woche ist jeder Kontakt zur «ARA San Juan» abgerissen. Etwa so lange reicht der Sauerstoff an Bord des U-Bootes aus, wenn es nicht auftauchen kann. Eine groß angelegte internationale Suchaktion bleibt bislang erfolglos.

Buenos Aires (dpa) - Der internationale Rettungseinsatz für das im Südatlantik verschollene argentinische U-Boot «ARA San Juan» ist zu einem dramatischen Rennen gegen die Zeit geworden.

Trotz des Aufgebots von 14 Schiffen und zehn Flugzeugen aus mehreren Ländern haben sich bislang alle Hinweise auf den Verbleib des seit einer Woche vermissten U-Boots als falsche Spuren erwiesen. «Es hat keinen Kontakt mit dem U-Boot gegeben», erklärte Marinesprecher Enrique Balbi in Buenos Aires.

Während der Nacht zum Mittwoch hatten lokale Medien über eine Radaraufnahme berichtet, die auf ein metallenes Objekt in 70 Metern Tiefe auf der vorgesehenen Route des U-Boots hinwies. Nach gründlicher Absuche der Zone sei ausgeschlossen worden, dass es sich um die «ARA San Juan» handelte, sagte Balbi.

«Am siebten Tag der Suche stehen wir in einer kritischen Phase», sagte der Marinesprecher. Die Sauerstoffreserven des U-Boots reichten für sieben Tage aus, wenn es nicht auftauchen und über den Schnorchel die Luft an Bord erneuern konnte. Es sei aber ungewiss, ob dies geschehen sei. Nach dpa-Informationen haben Boote dieses Typs je nach Situation für mindestens sieben Tage Sauerstoff.

Der Kapitän des U-Boots hatte bei der letzten Funkverbindung am 15. November gemeldet, dass es eine Batteriepanne an Bord gegeben habe. Sie sei aber behoben worden, hieß es nach Angaben der Marine. Die Zeitung «La Nación» berichtete unter Berufung auf Marinequellen, es habe sich ein Kurzschluss ereignet, als Wasser bei hohem Wellengang über den Schnorchel in das U-Boot gelangte.

Ein norwegisches Schiff mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV) und weiterer Ausstattung der US-Navy zur Tiefseebergung an Bord soll in Kürze in die Gegend gelangen, in der das verschollene U-Boot vermutet wird. Ein weiteres Schiff soll mit einem Mini-U-Boot an Bord folgen, das ebenfalls von der US-Marine für eventuelle Bergungsversuche am Meeresgrund eingesetzt werden soll.

In der patagonischen Hafenstadt Comodoro Rivadavia wurde das regionale Krankenhaus auf Anforderung der argentinischen Kriegsmarine in Bereitschaft versetzt. Alle geplanten Operationen wurden verschoben und vier Säle frei gehalten, um die Besatzungsmitglieder des U-Boots gegebenenfalls einliefern zu können.

Die «ARA San Juan», ein U-Boot des Typs TR 1700, wurde von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 der argentinischen Kriegsmarine übergeben. «Unsere Gedanken gelten nun der Besatzung und ihren Familien. Wir hoffen inständig, dass das U-Boot zügig gefunden wird», erklärte ein Werftsprecher der Deutschen Presse-Agentur.