Auf der Suche nach einer neuen Cashcow


Die Zeit der ganz hohen Verluste bei Rocket Internet scheint vorläufig vorüber zu sein. Die Halbjahreszahlen, die Rocket-Chef Oliver Samwer und sein Finanzchef Peter Kimpel am Donnerstag verkündeten, wiesen, wie schon die Jahreszahlen, deutlich nach oben.

So meldeten die wichtigsten Beteiligungen zusammen noch einen Verlust von 161 Millionen Euro, 44 Millionen weniger als im Jahr zuvor. Die Firma selbst, die in Start-ups investiert und selbst welche aufbaut, verbuchte für das erste Halbjahr einen Verlust von 27 Millionen Euro, nach 617 Millionen Euro im Jahr 2016. Ausschlaggebend hierfür waren der Verkauf der E-Commerce-Platform Lazada in Südostasien an Alibaba, sowie der Börsengang der Essenslieferplattform Delivery Hero Ende Juni. Rocket Internet war zu diesem Zeitpunkt mit rund 37 Prozent der größte Anteilseigner bei dem Unternehmen.

Schon beim Börsengang hatte Rocket einen Teil seiner Anteile an Delivery Hero abgestoßen. Am Donnerstag nun gab Oliver Samwer bekannt, rund die Hälfte der verbleibenden Aktien, nämlich einen Anteil von rund 13 Prozent, für 660 Millionen Euro an den Digitalkonzern Naspers verkaufen zu wollen. Die Südafrikaner, die bislang zehn Prozent hielten, würden damit größter Anteilseigner werden, Rocket Internet rutscht auf Platz zwei. 

Der Deal dürfte sich gelohnt haben: Samwer war Anfang 2015 für den Preis von einer halben Milliarde Euro bei Delivery Hero eingestiegen. Analysten  zufolge hat Rocket Internet insgesamt rund 650 Million Euro in Delivery Hero gesteckt. Derzeit wird das Unternehmen an der Börse mit rund 5,8 Milliarden Euro bewertet.


Unklar ist, was Rocket mit dem Erlös plant. Laut Finanzchef Kimpel hält das Unternehmen eine Netto-Cashreserve von 1,6 Milliarden Euro. „Wir investieren weiter in Start-ups“, war alles, was sich Oliver Samwer am Donnerstag zu dem Thema entlocken ließ. Rocket berichtet traditionell nur über eine Hand voll ausgewählter, größerer Beteiligungen, über neue Investments wird kaum kommuniziert.

Das hängt zum Einen damit zusammen, dass man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben will. Die meisten Firmen würden schließlich scheitern, hatte Samwer auf der letzten Hauptversammlung erklärt. Aktionäre fragen sich jedoch, wo das nächste große Thema bleibt. So wertete Barclays die Rocket-Aktie  Papier kurz nach dem Börsengang von Delivery Hero herab: Es mangele derzeit an positiven Impulsen für den Kurs, hieß es zur Begründung. 

Von der angekündigten Fintech-Offensive ist bislang nicht die Rede. Bei der Hauptversammlung hatte Rocket seine Aktionäre um die Erlaubnis gebeten, eine Banklizenz beantragen zu dürfen. Sollte Samwer hier groß einsteigen wollen, könnte er das Geld aus dem Anteilsverkauf allerdings gut gebrauchen.

Offen blieb auch, ob und wann Rocket Internet den Kochboxenlieferanten Hello Fresh an die Börse bringen wird. Marktkreisen zufolge bereitet sich das Start-up seit längerem auf einen Börsengang vor. Der schlechte Start des US-Konkurrenten Blue Apron an der New Yorker Börse könnte die Pläne allerdings durcheinander gebracht haben.

Die Analysten von der Berenberg-Bank sehen nicht nur bei Hello Fresh, sondern auch bei anderen Beteiligungen großes Potenzial. Sie halten die Aktie für deutlich unterbewertet. Außer der Beteiligung an Delivery Hero preise der Markt keine anderen Vermögenswerte ein.